Eine repräsentative Umfrage ergibt, dass 87 Prozent der BürgerInnen für gesetzliche Zugangsbeschränkungen sozialer Medien sind. Vier von zehn Jugendlichen würden TikTok erst ab 16 gesetzlich freigeben

Die Deutschen sind eindeutig für eine Altersregelung beim Zugang zu sozialen Medien. In einer repräsentativen Umfrage sagten 87 Prozent, dass es gesetzlich bestimmte Altersgrenzen geben sollte. Die Fragen im Auftrag der Plattform nebenan.de richtete sich auch speziell an 16- bis 24-jährige – mit einem erstaunlichen Ergebnis. Vier von zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen würden das Eintrittsalter für soziale Medien auf 16 festlegen. Für eine Freigabe ab 14 Jahren durch den Gesetzgeber votierte ein Drittel der jungen Leute. (Siehe Grafik) Die detaillierten Ergebnisse der Umfrage sind auf einem Dashboard des Befragungsinstituts Appinio hinterlegt.

Vier von zehn Jugendliche und junge Erwachsene für Mindestalter von 16 auf sozialen Medien

Die Umfrage dürfte die Debatte um gesetzliche Handyverbote und Social Media-Regeln weiter anheizen. Australiens Parlament hat beschlossen, dass die Betreiber von Tiktok und Instagram nur noch über 16-jährige auf ihre Plattformen lassen dürfen. Sie müssen dafür einer verlässliche Alterskontrolle einführen. Auch die deutschen Schulminister haben das Thema auf ihre Tagesordnung gesetzt. Zwei Bundesländer, Hessen und Thüringen, erwarten von der Bildungsminister-Konferenz verbindliche Vorgaben.

In einer Umfrage für den Tagesspiegel haben sich eine Reihe von SchulministerInnen für restriktivere Regeln ausgesprochen. Selbst Grüne sind dafür. Niedersachsens stellvertretende Ministerpräsidentin und Schulministerin Julia Willie Hamburg ließ Pisaversteher mitteilen, dass sie „die Einführung einer Altersgrenze von mindestens 14 Jahren für die Nutzung von Social Media für richtig hält. Denn unbestritten birgt Social Media reale Gefahren für Kinder und Heranwachsende.“ Hamburg nannte das Suchtpotenzial, Cybermobbing und den ungefilterter Zugang zu sexualisierten oder gewalttätigen Inhalten.

Würden die Minister auf die 16- bis 24-jährigen hören, dann müssten die Plattformen stärker reguliert werden – mitsamt der Algorithmen. Unter den jungen Leuten sind 87 Prozent dafür oder eher dafür, Algorithmen künftig von Staats wegen zu durchleuchten. Die jüngste Altersgruppe ist in der Umfrage die am besten informierte über die Funktionsweise von Algorithmen. Laut der Befragung von Anfang Dezember sind die bei Jugendlichen beliebtesten Plattformen Instagram (59 Prozent), TikTok (47 Prozent) und Snapchat (42 Prozent).

Junge wissen am besten über das Algorithmusproblem Bescheid

Die jungen Leute haben sich auch über die Einflüsse von sozialen Medien auf ihr Befinden geäußert. Danach meinen 43,5 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass soziale Medien sich negativ auf ihre psychische Gesundheit auswirkten.

Jugendliche fühlen sich am häufigsten durch soziale Nerzwerke psychisch beeinträchtigt.

Gemeint ist damit sinkendes Selbstbewusstsein und eine negative Haltung zum eigenen Körper – die durch Bewertungen durch andere in sozialen Medien ausgelöst wird. Die Wissenschaft kennt diese Einflüsse schon seit einiger Zeit. Die Jugendlichen empfinden es aber auch selbst so. Das psychische Unwohlsein bei Jugendlichen durch sozialen Medien ist deutlich größer als bei den Älteren. Bei den 45- bis 54-jährigen etwa fühlt sich ein Drittel durch Social Media in seiner psychischen Gesundheit beeinträchtigt.

„Wir brauchen einen grundsätzlichen Reset im digitalen Raum“, sagte der Geschäftsführer von Nebenan Philipp Witzmann. „Der ganz große Teil der sozialen Netzwerke ist auf Abhängigkeit, auf maximales Verweilen der User optimiert. Wir brauchen stattdessen eine Optimierung auf Wohlbefinden.“ Der Betreiber der Nachbarschaftsplattform findet Verbote einzelner Portale allerdings falsch.

Die Teilnehmer seiner Befragung denken da anders. Insgesamt sind 38 Prozent der Bevölkerung sind zum Beispiel für ein Verbot von TikTok. Gegen ein solches Verbot haben sich in der Umfrage 33 Prozent ausgesprochen. Auch hier liegen die Haltungen der Jugendlichen erstaunlich nahe am Gesamtergebnis. 34 Prozent der jungen Leute sind für ein TikTok-Verbot – dagegen sind 35,7 Prozent.