Kathrin Minner über die Sprach-KI „School To Go“ und die Kombination mit der Open Source-Tool-Box H5P. Wann haben SchülerInnen Zugriff auf die KI?

Frau Minner, worin liegt für Sie als Lehrerin der pädagogische Vorteil von „School To Go?

Der größte Vorteil liegt für mich in der schnellen und unkomplizierten Erstellung von Unterrichtsstunden oder ganzen Unterrichtsreihen – manuell oder mithilfe Künstlicher Intelligenz. Besonders schätze ich die Möglichkeit, „School To Go“ mit anderen Tools zu kombinieren. Mein persönliches Highlight ist die Arbeit mit H5P, einer Open-Source-Toolbox zur Erstellung interaktiver Lerninhalte im Netz. Damit lassen sich vielseitige Aufgaben wie Multiple-Choice-Fragen, Bildzuordnungen, interaktive Videos, interaktive Schaubilder, Lückentexte oder Textaufgaben gestalten.

Bisher war das eher umständlich, da man für viele Anwendungen zusätzliche Accounts benötigte. Auch die integrierte Übersetzungsfunktion ist im Schulalltag ein großer Gewinn, besonders für neu zugewanderte Kinder. Ich kann Aufgaben in verschiedene Sprachen übersetzen lassen und so besser erklären. Das Tool ermöglicht darüber hinaus eine große Vielfalt an Differenzierungen und individuellen Förderangeboten – alles ist zentral über ein Dashboard zugänglich. Unterrichtsmaterialien können so jederzeit überarbeitet, erweitert und wiederverwendet werden.

Welche Voraussetzungen muss eine Schule erfüllen, damit Lehrkräfte das Tool nutzen können?

Das ist relativ einfach: Man benötigt lediglich einen kostenpflichtigen Account, wobei die Preise je nach Angebot variieren. Danach lässt sich „School To Go“ auf Smartphone, Tablet oder Laptop nutzen. Voraussetzung ist natürlich ein Internetzugang. Optimal sind zusätzliche Geräte wie ein Whiteboard, ein Beamer oder ein Klassensatz Tablets, um auch die Schüler aktiv einzubinden.

An unserer Schule nutzen viele ältere Schüler eigene Tablets. Für alle anderen stellen wir im Unterricht Tablets zur Verfügung. Aufgaben können die Schüler beispielsweise per QR-Code abrufen. Alternativ lassen sich die Aufgaben über den School Manager direkt an die Schüler senden – dies ermöglicht auch die Bearbeitung von zu Hause.

Was ist Ihr persönlicher Pro-Tipp?

Ein echtes Highlight war für mich der Einsatz beim Thema „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt. Wir hatten das Theaterstück in der Jahrgangsstufe 10 gelesen und uns auch eine Inszenierung angesehen. Die Schüler hatten sehr konkrete Vorstellungen vom Bühnenbild, die wir für die Stunde jedoch nicht so schnell umsetzen konnten.

Mit „School To Go“ haben wir kurzerhand eigene Hintergründe mit Hilfe der KI gestaltet, indem wir die Prompts mit der Regieanweisung und den Schülerideen „gefüttert“ haben.

So entstanden individuelle Bühnenbilder, die als Kulisse für einzelnen Szenen dienten. Das war eine tolle Möglichkeit, schnell kreative und temporäre Szenenbilder zu schaffen. Die Schüler konnten zeigen: „Wir können auch als Schauspieler auf einer großen Bühne agieren.“ Genau das war ihre Botschaft.

Was vermissen Sie noch an dem Tool? Was würden Sie sich wünschen?

Ich wünsche mir vor allem, dass mehr Lehrerinnen und Lehrer die Scheu vor KI verlieren. Wer sich traut, das Tool auszuprobieren, erkennt schnell seinen Mehrwert – selbst mit kleinen Schritten.

Zum Einstieg helfen hier die Tutorials und Webinare von School to Go. Noch stehen viele Kolleginnen und Kollegen der Digitalisierung skeptisch gegenüber. Doch gerade hier kann „School To Go“ als niedrigschwelliger Einstieg dienen.

Das Instrument bietet eine gute Gelegenheit, den KollegInnen die Angst zu nehmen. Wir können innerhalb eines Kollegiums zusammenzuarbeiten, um verschiedene Hürden gemeinsam zu überspringen: Welche Bilder kann ich benutzen? Welche Texte hab ich vielleicht selber geschrieben, die ich mit meinen Kollegen teilen kann? Wie ist es mit dem Urheberrecht? Mit den zur Verfügung stehenden KI-Tools kann man im Kollegenkreis zügig sehr große Lerneffekte erzielen.

Es wäre schön, wenn das Tool auch Schülern ermöglichen würde, selbst erstellte Texte oder Hausaufgaben hochzuladen und im Dialog weiterzuentwickeln. Auch wenn ich im Unterricht nicht auf Stift und Papier verzichten möchte, ist diese digitale Möglichkeit im Schulalltag sehr hilfreich.

Ein weiterer Wunsch: die Erweiterung der Sprachfunktion – insbesondere um Arabisch. Das würde uns im Schulalltag enorm weiterhelfen.