Es soll ein wirklich soziales soziales Netzwerk werden, und nun wird „Wedium“ noch im März in seine Beta-Phase starten. Das haben die Macher von Wedium bei einem Treffen mit ihrem Beirat entschieden. „Irgendwie reden alle davon, dass Europa ein unabhängiges und sicheres soziales Netzwerk braucht, insbesondere für Heranwachsende – aber niemand scheint etwas zu tun“, sagte Nele Meissner, die geschäftsführende Gesellschafterin von Wedium auf Anfrage. „Deswegen wollen wir jetzt damit anfangen.“

Das „Wir“ besteht im wesentlichen aus den Gründern und Geschäftsführern der Berliner Werbe- und Kommunikationsagentur Glow. Externe Geldgeber oder Investoren gibt es bislang nicht. „Schaffung und Betrieb eines sozialen Netzwerkes sind keine Raketenwissenschaft und auch bezahlbar“, sagte Johannes Krempl von Glow. Wichtig seien die Netzwerkeffekte also eine große Zahl an Usern, Content-Produzenten und Medien, die ihre Inhalte teilen.

Identifizierung & Alias

Bei Wedium kann man nur nach einem Identifizierungs-Verfahren Mitglied werden, dort allerdings ein Alias oder einen Spitznamen verwenden. Dies ist besonders für Jugendliche wichtig, für die Wedium eine Alternative zu den umstrittenen Plattformen sein soll. Das soziale Netzwerk wird bei BunnyWay in Slowenien gehostet, eine der Alternativen zu amerikanischen Cloud-Diensten. BunnyWay unterliegt EU-Recht, muss also keine Daten auf Wunsch der US-Regierung herausgeben.

Dem Beirat, mit dem zusammen die Grundregeln und die Nettiquette von Wedium gestaltet werden, gehören unter anderen Beate Leitermann von Wikimedia an, der Umweltcampaigner Tobias Münchmeyer, Sabine Hein von Creatives for Future und die Kinderschutzexpertin Julia von Weiler. Kern-Bestandteil von Wedium soll ein gesunder Algorithmus sein, der anders als bei sozialen Medien wie TikTok, Instagram, SnapChat usw. keine Dopamin-Trigger bei den NutzerInnen aktiviert. Genau dieser Algorithmus war auch Thema bei dem Treffen von Wedium und seinem Beirat. Wedium als Medium der Meinungsbildung müsse kuratiert werden, „um unsere Demokratie zu schützen.“

Ein PR-Gag für Glow?

Auf die Frage, ob Wedium eine ernste Unternehmung oder Werbung für Glow sein soll, antworteten die Macher: „Für einen PR-Gag ist die Lage leider zu ernst. Das Bild von Trumps Amtseinführung, bei der er die gesamte Tech-Elite hinter sich versammelte und Elon Musk seinen rechten Arm in die Höhe reckte, ließ uns keine Ruhe.“ Trump und seine BigTech-Phalanx könnten jeden Moment den Kill Switch betätigen und Daten der NutzerInnen absaugen. Deswegen soll Wedium nach der geschlossenen Beta- und Lernphase möglichst noch im Juni gelauncht werden.

Ergänzter Text zur News im Tagesspiegel Background KI.