Blogparade digitales Lernen – die Beispiele. Theoretisieren kann jeder. Aber vergesst die beste Praxis nicht

Frau Sonnig informierte dieser Tage über den Surf-Führerschein ihrer 5. Klasse. Das begeisterte Martin Rist dermaßen, dass er mehr von solchen guten Beispielen sehen will.

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Gute Idee. Pisaversteher bittet LehrerInnen und andere Netzdidaktiker, ihre guten Ideen in einer Blogparade aufzuschreiben. Während in der Politik das unerträgliche Fingerhakeln über die fünf Milliarden Digital-Förderung des Bundes für Schulen begonnen hat (siehe Jan-Martin Wiardas Blog), sollten die exzellenten und kreativen Lehrer2.0 nicht warten, sondern erzählen: von ihren kleinen und großen Ideen, wie man digitales Lernen gut in die Schule integrieren kann.

Es geht los mit einem Text von Frau Sonnig, die für Pisaversteher ihren Surf-Führerschein genauer beschrieben hat. Weitere Beiträge sind willkommen. Bitte mailt an Pisaversteher oder setzt sie auf Eure Blogs.

Surfen – aber sicher!

Bereits am dritten Schultag nach den Sommerferien laufen die neuen Smartphones der Fünftklässler heiß. Das ständige Gebimmel und Gebrumme dokumentiert jede eintreffende Nachricht im frischen WhatsApp-Klassenchat. Wobei „Nachricht“, das was da im Minuten­takt auf dem Gerät angezeigt wird, es nicht wirklich trifft. Eine Invasion von Emjios, seltsa­men Buchstabenkombinationen, lustigen Videos und scheinbar zusammenhangslosen Halbsätzen sorgt für Unterhaltung.

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Ich beobachte hilf- und verständnisloses Kopfschütteln auf Elternseite, vereinzelte Bekun­dungen des Genervtseins bei einigen Kindern. In der zweiten Woche erreichen mich als Klassenlehrerin die Be­schwerden meiner Schützlinge. Sie berichten von Beleidigungen, Rauswürfen oder Pranks. Was im Klassenchat passiert, erreicht spätestens jetzt den Klas­senraum und beeinflusst den Unterricht.

Es ist klar: „Lernen mit Medien“ geht nicht ohne „Lernen über Medien“. Spätestens mit dem Wechsel in die 5. Klasse bekommen viele Kinder ein eigenes Smartphone und damit einen kaum noch zu kontrol­lierenden Zugang zum Internet. Das erste „Lernen über Medi­en“, welches der Internet-Führerschein do­kumentiert, soll deshalb vor allem präventiv sein. Der „Surfschein“ des Internet-ABCs bietet Lernmodule, die sowohl analog als auch digital erarbeitet werden können. Prima Voraussetzungen für die schulische Arbeit! Wir nehmen den Surfschein also als Grundlage. Reihenfolge und Schwerpunkt­setzung gibt die Lern­gruppe vor.

1. „WhatsApp und mehr“

Nach den ersten Erfahrungen im Klassenchat, einigt sich die Gruppe schnell auf Verhal­tensregeln. Der Online-Kurs der „Digitalen Helden“ „WhatsApp, meine Freunde und ich“ unterstützt unsere Erarbeitung. Die Regeln werden als Profilbild der Gruppe eingestellt. Dabei werfen wir auch gleich einen kritischen Blick auf die Profilbilder der Kinder, kreieren eigene Avatare und checken die Einstellmöglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre.

2. „Soziale Netzwerke & Co.“/„Meine Daten – aber sicher!“

Wem verrate ich was über mich? Was bedeutet es ein Bild oder meine Daten (Was sind eigentlich „Daten?) ins Netz zu stellen? (Die Vorstellung das eigene Profilbild ans Schwar­ze Brett der Schule zu pinnen, gefällt keinem so richtig.) Warum sind meine Daten für wen interessant? Wie sichere ich sie per Passwort? Was kennzeichnet ein gutes Passwort?

3. „Lügner und Betrüger im Netz“

Nicht jeder ist der, für den er sich ausgibt. Der Fall des 12-jährigen Paul, der durch Mine­craftspielen einen 35-Jährigen kennenlernte und von diesem im Sommer 2016 mehrere Tage festgehalten wurde, bewegt meine Fünftklässler. Gemeinsam recherchieren wir Pauls Geschichte. Was die Klasse schockiert, ist falsche Identität des mutmaßlichen Täters – und das sexuelle Interesse an dem Jungen. Allein die Andeutung von Missbrauch in den Medien sorgt für großen Gesprächsbedarf unter den Kindern. Wir haben uns deshalb viel Zeit genommen. Auch die Begriffe Cybergrooming und sexueller Missbrauch werden im Laufe des Gesprächs an der Tafel notiert. Die Klasse entwickelt an seinem Beispiel gemeinsam Tipps, wie man sich fremden „Freunden“ gegenüber im Netz verhalten sollte.

4. „Viren, Würmer und Trojaner“

Mein Handy wurde gehackt“, mit verzweifelndem Blick werde ich immer wieder um Hilfe gebeten. Mei­ne Schüler neigen zum Dramatisieren, doch ist dies auch Zeugnis ihrer Un­sicherheit. Virenschutz fürs Smartphone? Fehlanzeige! So thematisieren wir, wie man sich solche Schadensprogramme einfängt, was sie anrichten und wie man im Fall der Fälle richtig reagiert.  computer-1446131_1920

 5. „Texte, Filme, Musik aus dem Netz – was ist erlaubt?“

Kaum zu glauben, doch bereits unter 10-Jährigen finden sich bisweilen Betreiber eines ei­genen YouTu­be-Kanals. Doch nicht nur dieser „Frühstarter“ wegen sind die Themen Per­sönlichkeits- und Urheber­recht grundlegend für den Surfschein. Das Bewusstsein über das eigene Bild oder Werk bestimmen zu können, sensibilisiert die Kinder zu einer selbst­bestimmten Verteidigung ihrer Rechte. Einfach mal so ein Foto in der Klasse machen, ist seitdem nicht mehr drin. Immer ist da jemand der nachhakt: „Du musst erst fragen, ob ich das erlaube!“

6. „Surfen und Internet“

Gegen Gefahren gewappnet, können die Schüler endlich losziehen und die Weiten des In­ternets erkun­den. Damit sie erfolgreich finden, was sie suchen, gibt ’s ein paar Tipps mit auf den Weg.

Nach bestandener Prüfung, halten dann endlich alle Urkunden und den hart erarbeiteten Führerschein in Händen. Die Kinder sind jetzt sensibilisiert für die Risiken der Internetnut­zung, misstrauisch gegen­über fremden Spielpartnern, gehen sparsam mit ihren Daten um und kennen Möglichkeiten sich zu schützen oder zu wehren. Sie wissen, wie man sich im Netz verhalten sollte.

Auf den Punkt gebracht hat die Klasse das in drei Regeln: Sei respektvoll, bleibe misstrau­isch und sprich mit jemandem, wenn ’s schwierig wird!

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