Faustische Tragödie: Die edlen Gelehrten und die prekären Honorarkräfte des Goethe-Instituts

Seit gestern wird mein Postfach geflutet mit verzweifelten und auch glücklichen Mails von Honorarkräften des Goethe-Instituts. Worum geht´s?

update: Es kommen immer mehr Zuschriften, dass die Verhältnisse der DaZ/DaF-Lehrer an KMK-Schulen und an Volkshochschulen ähnlich prekär sind wie bei Goethes. Wer in dieser Situation ist – beinahe Vollzeitdeputat, kurze Vertragslaufzeiten, Kündigung im Sommer, kein Urlaub etc. –, der möge sich via Kommentar bei Pisaversteher oder per mail melden.

Das Goethe-Institut durchlebt einen Beschäftigungsskandal großen Ausmaßes. Die Rentenversicherung überprüft derzeit „die ordnungsgemäße und vollständige Zahlung von Sozialversicherungsabgaben“ durch das Sprachlerninstitut, das in Deutschland zwölf Standorte hat. Betroffen sind frei beschäftigte 400 DaF-Lehrer, die oft wie Vollzeitkräfte arbeiteten und ab sofort zunächst keine Verträge mehr von Goethe erhalten. Das sind etwa zwei Drittel der Lehrer von Goethe-Inland, die teilweise unter fragwürdigen Bedingungen arbeiten: keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kein Urlaub, keine Sozialversicherung, gestückelte Mini-Honoraverträge über Jahre hinweg. Viele der Beschäftigten sagen: „Das ist Manchester-Kapitalismus.“

Manchester-Kapitalismus

Das kann man alles im Freitag und bei Spiegel-Online nachlesen.

goethefreitag

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Außerordentliche Mitglieder der Versammlung des Goethe-Institutes
Außerordentliche Mitglieder der Versammlung des Goethe-Institutes

Es lohnt sich anzuschauen, wer im Präsidium und der Mitgliederversammlung des Arbeitgebers Goethe-Insitut
gelistet ist: Die Crème der deutschen Kultur- und Bildungselite, Vertreter der Schönen Künste, Hohe Regierungsbeamte, Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Professoren, die in ihren Studien und in klugen Aufsätzen die Ungerechtigkeit der Republik anprangern. Aber was machen sie bei Goethes? Ich würde das ein Komplott der deutschen Mandarine nennen wollen.

Die Mandarine

Mandarine gehören – nach Fritz K. Ringer – zu jener typisch deutschen Führungsschicht, die „ihren Status in erster Linie ihren Bildungsqualifikationen und nicht Reichtum oder vererbten Rechten verdankt.“ Diese Mandarine wenden sich im Fall Goethe gegen jene prekären Beschäftigten, die nur wegen des klingenden Namens Goethe soziale Verhältnisse hinnehmen, die eigentlich nicht hinnehmbar sind. Ich habe mit vielen dieser Leute gesprochen: exzellente Lehrer mit erstklassigen Referenzen und superspannenden Biografien.

Die Anonymen

Ihre Namen kann ich nicht nennen. Sie müssen anonym bleiben, weil sie sonst ihre Berufsbiografie zerstören würden. Die Namen des Präsidiums und der Mitgliedsversammlung und ihrer Gäste aber sind nicht anonym: Es sind GerechtigkeitskämpferInnen mit großer Klappe dabei. So kann man das wohl sagen.

Mitglieder der Versammlung des Goethe-Instituts
Ausschnitt Mitglieder-Versammlung
Goethe-Präsidiumsmitglieder im Namen der Bundesregierung
Goethe-Präsidiumsmitglieder der Regierung

Interessant an dem Fall ist, dass die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft seit Jahren versucht, mit dem Goethe-Institut diese riskante Beschäftigung auf eine solide und vor allem soziale Grundlage zu stellen. Goethe lehnte das mit einer Haltung ab, die – freundlich gesagt – interessant ist. Die Lehrkräfte und die GEW versuchen seit Jahren, das Goethe-Institut zu Verhandlungen zu bringen, vergeblich: Wir führen keine Tarifverhandlungen, heißt die Botschaft des Goethe-Präsidenten an die GEW, abgesandt im Juli 2013.

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Mitarbeiter des Goethe-Institut Mannheim kritisieren in einer Erklärung (offener-brief-gi-mannheim) Management-Fehler, weil die Betriebsprüfungen der Rentenversicherung ja bereits 2014 begonnen haben.

Umso mehr verwundert es, dass Sie offensichtlich in der Zeit von 2014 bis heute nie an einer konstruktiven Lösung für das Goethe-Institut und seine Honorarkräfte gearbeitet haben.

Die Goethe-Honorarkräfte kämpfen schon länger um gesicherte und sozialverträgliche Anstellungen. Wer wissen will, wie es den Leuten bei Goethe geht, der mag sich diesen Ausriss eines empörten Mitarbeiters über mein Stück bei Spiegel-Online nachlesen. Die Leute sind verzweifelt und wütend.

Sehr geehrter Herr Füller, 

bitte berichtigen Sie ihre falschen Aussagen, die so nicht stehen bleiben können. 

Bei den 37 Euro handelt es sich um Einnahmen, nicht um Bruttoverdienst und schon gar nicht um Nettoverdienst. Die verdienen auch keine € 1400-2000 netto. Diese 37 Euro beziehen sich nur auf die gehaltene Stunde und inkludieren die Stunden der Vorbereitung und Nachbereitung der Stunden. Auch Auslagen an Dritte. Der Nettolohn liegt bei € 2 die Stunde. 

Von diesen 37 Euro die nicht für eine Stunde, sondern drei Stunden bezahlt werden kommen noch zum Abzug:
30% Steuern
15,7 % Krankenkasse
19.6% Rente
4% Arbeitslosenrückstellung
7% Urlaub
3% Berufsgenossenschaft
10% Arbeitsmaterial für den Arbeitsplatz

Es macht einen sehr wütend, wenn man sieht wie die Leser angelogen werden von Ihnen. 37 Euro ist doch toll was wollen die.

 

 

 

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