Warum das einäugige Gutachten des WZB zu Privatschulen die Schulen spaltet und nichts zu mehr Gerechtigkeit im Land beiträgt

Prezi-Präsentation zur Rolle der Privatschulen gestern und morgen bei der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Brandenburg bildschirmfoto-2017-02-12-um-23-38-04

Zwei Forscher des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung haben gezeigt, dass die Behörden die Privatschulen aus den Augen verloren haben. Gemeint ist, dass sie die Höhe des Schulgelds nicht kontrollieren.
Marcel Helbig und Michael Wrase vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung haben Recht. Schulen dürfen die „Sonderung nach den Besitzverhältnissen der Eltern“, oder kurz: die soziale Spaltung, nicht verstärken. Deswegen sollten die Schulbehörden, erstens, dort genauer hinschauen. Weder elitäre Schulen für Reiche sollten sich absondern – noch islamische Spezialschulen. Wir sollten, zweitens, die Schulgebühren deckeln.

Wichtig ist aber vor allem, sie besser zu fördern. Privatschulen werden ja oft nicht bevorzugt, sondern benachteiligt. Die Bedingungen für Privatschulen sind so schlecht, dass ihre Gründung behindert wird. Das ist falsch – denn vielen Gründern geht es nicht um die Akquise Kinder reicher Eltern. Sie wollen neue, pädagogisch innovative Schulen etablieren.
Mit seiner schlechten Förderpolitik wirft der Staat den Teufelskreis an, der nun beklagt wird: dass Gutbetuchte und Profitorientierte neue Schulen gründen – für ihresgleichen. Um dann mit hohen Schulgebühren die Kosten wieder herein zu holen. Diese Gebühren lösen dann jene öffentliche Stampede gegen Eliteinternate wie Salem oder die beiden Berliner Cosmo- und Metropolitan-Schools aus, die wir gerade erleben. Aber, bitte, glaubt irgendjemand, dass zwei mäßig interessante Privatschulen in Mitte die soziale Situation in Wedding oder Kreuzberg verschärfen?

Nizar Rokbani, selbst ein Einwandererkind, wollte auch Kindern wie er eines war, beste Chancen geben. 

Die Wahrheit ist eine andere. Bezirke wie Kreuzberg kümmern sich kaum um ihre Regelschulen – blockieren aber mit großem sozialradikalen Gestus Privatschulen. Das ist erst kürzlich wieder im Bergmann-Kiez geschehen. Dabei hatte die dort geplante private Freudberg-Schule einen explizit sozialreformerischen Ansatz. Nizar Rokbani, selbst ein Einwandererkind, wollte auch Kindern wie er eines war, beste Chancen geben. Und rund ein Drittel der Schüler vom Schulgeld befreien. Rokbani hat inzwischen in Wilmersdorf gegründet. Eine vertane Chance für Kreuzberg.

Es wäre übrigens ganz einfach, Privatschulen zu regulieren. Alle Schulen, auch private, müssen eine 15-Prozent-Quote von Hartz-IV-Kindern, Flüchtlingen und Inklusionskindern erreichen. Damit würde man Privatschulen ihren Beigeschmack des Elitären nehmen. Und das Land könnte die Schul-Debatte endlich rationaler führen.

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