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Übung: Wie reagieren wir auf diese Veröffentlichung des Berliner Senats bzw. von Sprechern des Abgeordnetenhauses?

Pläne in der Berliner Koalition – Gebühren für Privatschulen sollen vereinheitlicht werden

Das Problem der Ersatzschule

Als Text und als {Video}

Privatschulen sind öffentliche Schulen, dennoch nennt das Grundgesetz sie in Artikel 7 Ersatzschulen: „Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen“. Darin besteht die Crux dieser Schulform.

Private, meist Freie Schulen genannt, sind auf unheimliche Art etwas Besonderes. Sie umweht der Odem des Klandestinen, des Abgeschlossenen und der unerfüllten Sehnsucht. Viele wollen ihre Kinder gerne auf eine private Schule geben, wie Studien zeigen. Zugleich erscheinen Privatschulen schnell als etwas Verabscheuungswürdiges – weil sie so furchtbar ungerecht seien und die Bevölkerung spalteten.

Diese Angst stammt aus Grundgesetz: Wenn „eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird“, sind Privatschulen nicht zuzulassen. Dass staatliche Gymnasien den exakt gleichen Sonderungsfeffekt haben (75 Prozent Oberschicht und obere Mittelschicht; 18% Mittelschicht; 6% Unterschicht), wird gern verschwiegen, ja man weiss es nicht.

Privatschulen wurden im Grundgesetz als ein Grundrecht verankert wegen der Verfolgung und Unterdrückung der Freien Schulen in der Nazizeit. Adolf Hitler verfügte, private Schulen als Hort des Widerstandes aufzuheben. Da die Kulturhoheit bei den Ländern liegt, und das Grundgesetz erst nach der Konferenz der Kultusminister begründet wurde, kam es nie zu einer sozialen Absicherung dieses Grundrechts. Kein Grundrecht ist so schlecht fundiert wie dieses: „Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet.“

Deswegen haben Private Schulen von jeher ein Finanzierungsproblem. Sie gelten nur als Ersatzschulen, die man verbieten könnte, tragen aber gleichwohl dazu bei, dass der Staat die Schulpflicht überhaupt gewährleisten kann. Und sie sind dabei für den Staat billiger als seine eigenen Schulen.

Private Schulen haben von jeher ein Problem in der Finanzierung der Lehrer. Weil sie weniger Geld haben als staatliche Schulen, sind aber ihre Pädagogen oft auch interessanter – weil sie aus Überzeugung an reformerisch eingestellten Schulen arbeiten.

Das Lehrerproblem wird nun aber drängender werden, es wird so massiv, dass die Privatschulen in eine Krise geraten. Der Staat als Lehrerbildner hat versagt, genug Lehrer auf den Markt zu bringen. Nun wirbt er sie Tausendfach von Privaten Schulen ab. Das kann zu einer existentiellen Bedrohung für die privaten und Freie Schulen werden.

Private Schulen waren schon immer ein Hort des Bewahrens, dafür stehen konfessionelle Schulen und konservative Internate. Die ersten Schulen überhaupt waren ja privat – in Form von Klosterschulen. Sie waren aber genausoviel ein Ort des Experimentierens. Die ersten Reformschulen waren Privatschulen, und in dieser Schulform kann man Schulentwicklung einfach schneller bewältigen.

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