Können digitale Instrumente und das Web2.0 Schule demokratisieren?

Thesen für das Kölner speedlab der Werkstatt bpb. Kommentare erwünscht. 
 
  1. Die Schulen stehen vor einem widersprüchlichen Prozeß: Das Web2.0 erhöht prinzipiell die partizipativen Formen – aber zugleich trivialisieren und verflüssigen die neuen Instrumente demokratisches Handeln in der Schule. Alles wird unverbindlicher, Demokratie wird banalisiert.
  2. Web2.0-Plattformen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Möglichkeiten des einzelnen Schülers sichtbarer machen. Das bezieht sich zunächst auf den Prozeß des Lernens, der sich enorm verändern wird. Das Lernen wird individueller und zugleich kooperativer (Bsp. Geschütztes Weblog bei der Erstellung einer Schülerzeitung) Es geht hier um eine inhaltlich orientierte, stark intensivierte Teilnahme am Lernen, das deutlichere Entwickeln der individuellen Potenziale und zugleich der Stärkung der Klassen- und Schulpolis.
  3. Schule steht in diesem Prozeß freilich erst am Anfang. Es ist aus kulturellen (technikfeindlicher Lehrerhabitus) und finanziellen Gründen schwer zu prognostizieren, inwieweit das (Sub-)System Schule den Impuls konstruktiv aufnehmen kann/wird.
  4. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Modernisierungsblockade im Schulsystem dazu führt, dass die ungleichzeitige Ausbreitung von Schul2.0 den digital divide unter den Schulen verschärfen wird. Schulen sind ein Subsystem der Gesellschaft, das sich gegen eine Digitalisierung sträubt. Der online-Tsunami wird freilich nicht aufzuhalten sein, daher ist eine überfallartige Ausbreitung und unkritische Übernahme von Web2.0 denkbar.
  5. Das ist kein Vorteil für „Demokratisierung durch Digitalisierung“. Schon die halbwegs reflektierte soziale Innovation „Lernen- und Mitbestimmen2.0“ führt zu Merkwürdigkeiten in der Szene: Es findet eine seltsame Fragmentierung und Apolitisierung des Diskurses statt. Die Vielfalt an demokratischen Kanälen erhöht die Beteiligungsmöglichkeiten – und verflüssigt bzw. trivialisiert die Meinungsbildung. (Schulische) Demokratie wird unverbindlicher und unberechenbarer. Der institutionell regulierte demokratische Prozeß ist zwar hermetischer, aber auch professioneller. Es kommt darauf an, die institutionellen und den offen-partizipativen Formen aufeinander abzustimmen bzw. den ersten durch den zweiten zu ergänzen.
  6. Direkte Beteiligung durch spezielle online-Voten etwa sind ein spannendes Instrument für das Feststellen von Meinungsbildern. Sie sind einsetzbar wie das Instrument der Bürgerinitiative: punktuell, Sachfrage. (Bsp. Elternblog, das das Informationsmonopol der Schulleitung sprengt)
  7. Reguläre demokratische Abstimmungen via Netz sind m.E. nur als Ergänzung denkbar. Schülerdemokratie2.0 ist eher direkte personale Beteiligung und permanente politische Bildung (durch inhaltliche Teilhabe) als entpersonalisierte demokratische Verfahren.
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