Bisher gingen die Grünen zwar von ideologischen Verstrickungen in die Pädophilen-Szene der 1980er aus, aber von Opfern war nie die Rede. Nun bricht ein Berliner grüner Schwulenpolitiker das Tabu: Thomas Birk kündigt in der Boell-Stiftung einen schonungslosen Bericht seines Landesverbandes an, in dem von „bis zu tausend Opfern“ im Umfeld der Berliner grünen Pädos die Rede sein wird. 


Update: Nina Apin verwendet in ihrem Text für die taz noch die Zahl von „Tausenden Opfern“ von sexuellem Missbrauch in Berlin-Kreuzberg. Birk reduzierte diese Zahl aber für die direkt mit der grünen Partei personalidentische oder eng verbundene pädosexuelle Szene  auf „bis zu 1000 Opfer“. Darauf habe sich die von den Berliner Parteichefs Bettina Jarrasch und Daniel Wegener geleitete Kommission geeinigt. (Siehe Unten)


Die Aufklärung der pädophilen Vergangenheit der Grünen ist nicht zuende. Bei einer Konferenz in der Heinrich-Boell-Stiftung kündigte der Berliner Schwulenpolitiker Thomas Birk am Donnerstag abend die Veröffentlichung eines schonungslosen Berichts der Hauptstadtgrünen an. „Die Schwulen-AG unserer Partei war bis 1993 mehr oder minder ein Pädo-Bereich“, sagte Birk, der im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Birk verwies auf ein Dutzend Täter im Berliner grünen Milieu, darunter Parteimitglieder und Funktionäre. „Es gab einen wegen Missbrauchs verurteilten Straftäter, von dem die Grünen wussten und der aus der Justizvollzugsanstalt heraus für das Berliner Abgeordnetenhaus kandidierte.“ Gemeint ist Dieter Ullmann. Der Bericht soll Mitte April veröffentlicht werden.

„Wir müssen von bis zu Tausend Opfern ausgehen“

 
Birk nannte auch Opferzahlen. Wenn man sich die übergriffige und pädokriminelle Praxis der Täter genauer ansehe, „dann müssen wir von bis zu Tausend Opfern ausgehen.“ Birk bestätigte auf Nachfrage ausdrücklich diese Zahl, die auf einer Hochrechnung der Täterbiografien der Missbraucher beruhe. „Wir werden die Betroffenen einladen, sich an uns zu wenden, um zur Aufklärung beizutragen“, sagte Birk während der Veranstaltung. Kenner der Kreuzberger Pädophilen-Szene halten die Zahl für plausibel.
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Die Parteivorsitzende der Grünen, Simone Peter, hatte sich zuvor auf dem Podium des „Projekts Aufarbeitung“ für die pro-pädophilen Beschlüsse ihrer Partei entschuldigt. „Wir haben als Partei Opfer verhöhnt und Täter legitimiert“, sagte Peter. Allerdings reagierte die Parteivorsitzende auf die spätere Ankündigung Birks hilflos. „Wir sind nicht der Ort der Taten“, sagte Peter zu Birks Bericht. Weder Peter noch die grüne Bundestags-Abgeordnete Katja Dörner hatten aus der Aufarbeitungskommission der Bundespartei neue Erkenntnisse vorgetragen. Das war aber angekündigt gewesen. Die Boell-Stiftung hatte in ihrer Einladung die Vorlage weiterer Zwischenergebnisse dieser Kommission angekündigt. Dörner sah sich genötigt zu betonen, „dass es keinen Schlussstrich geben wird.“ 

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Thomas Birk überraschte offenkundig auch Parteichefin Peter mit seiner Analyse. Birk machte deutlich, dass die Berliner Grünen in den 1980er Jahren, vor allem die in Kreuzberg, ein Zentrum pädophiler Propaganda und Praxis waren. „Es ist schwer auszuhalten“, meinte Birk, „aber es gab Täter in den Reihen der Grünen.“ Sie seien sowohl in die Partei hinein als auch zu den gesellschaftlichen Gruppen gut vernetzt gewesen. „Wir hatten damit bis Mitte der 1990er Jahre zu tun.“

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Zu den Tätern mit Parteibuch gehört unter anderem der pädosexuelle Lobbyist Dieter Ullmann, der mehrfach wegen sexueller Gewalt gegen Kinder verurteilt worden war. Zum anderen Fred Karst, der zusammen mit Ullmann ein über die Partei hinausgehendes Netzwerk aufgebaut hatte, in dem sie sich Jungen aus Kreuzberg zuschoben. Ullmann schildere in einem Dokument, wie er mit der von ihm gegründeten Lobbyorganisation „Deutsche Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie“ die Partei systematisch unterwandert habe. Die Täter seien nicht alles grüne Parteimitglieder, man könne nicht genau sagen, wer schon als Grüner agiert habe und wer sich noch zur freien Pädoszene rechnete, sagte Birk. Aber diese Personen hätten zum großen Netzwerk von offen pädosexuellen Lobbygruppen rund um die Grünen gehört. Berlins grüne Parteisprecher Daniel Wesener und Bettina Jarrasch bestätigten in einer Mitteilung die Angaben Birks.  


Update, 28. März, 2015: Wesener und Jarrasch machen in einer Erklärung, die Pisaversteher vorliegt, deutlich, wann für sie Taten grüner Parteimitglieder auch als grüne Taten einzustufen sind. Jeder möge sich selbst ein Bild davon machen: 

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„Umso intensiver ist die Kommission der Frage nachgegangen,
ob durch Karst, Ullmann oder Dritte auch in grünen Partei-Zusammenhängen
– also in Parteiräumlichkeiten, am Rande von Veranstaltungen oder
Sitzungen, bei Parteiaktivitäten wie Gruppenfahrten, Feiern, etc. –
Kinder oder Jugendliche Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sein
könnten.“ 


Und weiter: 

„Dieser Nachweis ist uns trotz gezielter Nachforschungen und externer Hilfe nicht gelungen.“

Zur Kenntnis: In den 1980er Jahren bildeten die Grünen Dieter Ullmann und Fred Karst eine schwule Arbeitsgruppe in der Berliner Alternativen Liste, die „Jung&alt“ hieß. Dort sei es zu pädosexuellen Übergriffen gekommen, sagte ein anonyme Quelle. Die Namen der Mitglieder wurden von AL-Mitgliedern mit den Namen bei den Behörden bekannter Pädokrimineller abgeglichen. In der Partei bestand also laut Zeugen Kenntnis, dass diese Gruppe päderastischer Natur ist. Ob auch Informationen darüber vorlagen, dass es in der Wohnung des mehrfach wegen sexuellen Missbrauch von Kindern verurteilten Fred Karst zu sexuellen Übergriffen kam, ist noch offen. In Karsts Wohnung tagte die AG „Jung&Alt“. 



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