Warum die Schulminister der Länder ganz genau Bescheid wissen, wie viel Flüchtlingskinder in die Schule kommen

Aber lieber nicht wissen wollen, wie wenig Lehrer sie dafür eingestellt haben

Die Geschichte der Kultusminister und der Flüchtlingskinder ist schnell erzählt. Sie hat drei Teile und kein Happy End. 

1. Sonntags sagen die Minister, dass es drei Dinge gibt, die für die Integration von Flüchtlingen entscheidend sind: Sprache, Sprache und nochmal Sprache. 

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Die KMK hat mehrere Varianten rechnen lassen: eine mit 60 Prozent und eine mit 80 Prozent
2. Am Mittwoch nun trafen sich in Berlin Forscher, die für die Schulminister herausfinden, wie viele Kinder aus Syrien usw. nach Deutschland gekommen sind – und wie viele Lehrer man braucht, damit sie gut lernen können. Bevor die erste Berechnung vorgetragen wurde, trat ein Staatssekretär vor die Wissenschaftler, und er war wahnsinnig stolz. Das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration habe sich ja verrechnet, feixte der feine Hamburger Staatsrat Michael Voges. Es seien gar nicht eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, sondern nur 800.000! Aber die Schulminister, griente Voges, die hätten den Zahlen eh nicht getraut – und hätten daher verschiedene Varianten rechnen lassen. Also knobelten die schlauen Minister eine Variante mit 60 Prozent und eine mit 80 Prozent aus. Sie wollten wissen: Wie viele Lehrer braucht man gar nicht, wenn die Zahl der Flüchtlingskinder schrumpft? 

So lange rechnen, bis man weniger neue Lehrer braucht

So rechneten die Forscher für die Schulminister: Wenn es nur 80 Prozent der angenommenen Flüchtlingszahlen sind, deren Kinder wirklich in die Schulen kommen, dann müssen sie über 23.000 Lehrer einstellen; wenn es 60 Prozent sind, dann wären es nur ca. 17.000 Lehrer. (Foto oben) Und danach zerbrachen sich die Forscher am Mittwoch mehrere Stunden den Kopf darüber, wie man mit geflüchteten Kindern am besten lernt, damit sie schnell Deutsch beherrschen. 

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Viele Stühle am Pult bleiben leer
Wie viel Lehrer nun tatsächlich, also ganz real eingestellt worden sind, konnte man die Wissenschaftler nicht fragen, denn die sind nur fürs Rechnen zuständig und nicht fürs Anheuern von Lehrern. 

3. Aber, kein Problem! Schon tags drauf tagten ja die Schulminister in Bremen über Migration und Bildung. Nach der Sitzung quollen viele viele Seiten Papiers aus der Pressemitteilung der Konferenz der Kultusminister (KMK), insgesamt drei Anhänge waren zu verzeichnen. Wie immer kam die Mitteilung so spät, dass die Zeitungen kaum mehr darüber schreiben konnten. Die Minister lobten sich. „Das Bildungssystem hat sich als tragfähig und zupackend erwiesen“, so steht es in der „Erklärung der Kultusministerkonferenz zur Integration von jungen Geflüchteten durch Bildung“. Gleich im ersten Absatz kann man lesen: Die Schulen haben rund 300.000 neue zugewanderte Kinder aufgenommen.

Gebildete Bildungsminister

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Hey, Teacher, don´t leave us kids alone!
Ja, diese Minister kennen sich gut aus, richtig gebildete Bildungsminister sind das. Blöderweise aber findet man in ihren vielen Pressemitteilungsseiten gar nicht, ob sie ihren Job gemacht haben, das wofür sie zuständig sind, wofür wir sie gewählt haben: Lehrer einstellen, Lehrern gute Arbeitsbedingungen schaffen, dafür sorgen, dass genug Kollegen da sind, um den Kindern Sprache, Sprache, Sprache einzuhämmern. Die Kinder kommen ja von ganz alleine. Aber die Lehrer muss man suchen, auswählen und einstellen. Und hinterher vielleicht sagen: „Hallo, nervöses Deutschland, keine Sorge, wir machen das mit der Integration, wir stellen Lehrer ein! Wir schaffen das!“ Das ist die Aufgabe der Kultusminister. 

„Diese Zahl liegt der KMK nicht vor“

Und haben sie die erfüllt? Kann man nicht sagen. Denn die Zahl der Lehrer, die von den Ländern eingestellt wurden, sie ist: nicht bekannt. „Diese Zahl liegt nicht vor“, sagt der Sprecher der KMK. Er kann einem Leid tun. Denn die Journalisten fragen ihn jedesmal, aber er kann es nie sagen. Denn die Zahl der neuen Lehrer bleibt stets im Nebel. Diesmal schreiben die Minister, versteckt irgendwo in der Mitte des dritten AnhangsPapiers, sie hätten schon „viele zusätzliche Lehrkräfte“ (KMK-Bericht S. 7) eingestellt.

Jeder Flüchtling wird in Deutschland gezählt, die ganze Nation rechnet und rechnet. Falsche Pässe, Nichtabschiebungen, verheiratete Minderjährige, Gebetsteppiche, Teekocher, Haschkekse, alles weiß man inzwischen von den Asylbewerbern, jeder Flüchtlingsfurz wird fein säuberlich in Listen eingetragen und kartografiert.

Aber wie viele Lehrer wir für die Flüchtlingskinder anheuern, die unsere Sprache subito lernen sollen – das weiß keiner.  

Die Zahl kann man in den 16 Bundesländern abfragen“, beteuert der Sprecher. „Die wissen das bestimmt.“

Integrationsbehinderungsminister

Bestimmt wissen die Integrationsbehinderungsminister das, ganz bestimmt.  

In den Schulen warten die Willkommensklassen und die Rektoren und die vielen freiwilligen Helfer inzwischen dringend auf qualifiziertes Personal. Lehrer nennt man die. Sie werden gebraucht. Jetzt!

Nachrichtlich: Bei der letzten Zählung waren es 8.400 eingestellte Lehrer. Ein Bruchteil von denen, die gebraucht werden.

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