Ost – West, Frauen – Männer, West-Regierung vs irrer Ost-Erfolg der AfD

Update 20 Uhr: Diese Bundestagswahl spaltet das Land. Als ich heute nachmittag schrieb, dass die AfD die Wahl im Osten gegen die SPD gewinnen könnte, war das zu vorsichtig prognostiziert. Nun zeigt sich, dass die AfD an SPD und der Linken vorbei gezogen ist. Die Linke hat fast sechs Prozentpunkte verloren, ein Großteilsavon ging an die AfD. Die vermeintliche Alternative für D ist im Osten auf Platz 2 gelandet, und selbst die CDU ist in Sichtweite. 


Aber die Spaltung geht weiter als zwischen Ost und West. Auch Frauen und Männer haben ganz unterschiedliche Prioritäten. 


(Ab hier weiter mut dem Text von 14 Uhr:) Wenn man den Kollegen und Bekannten glauben darf, die im Osten der Republik leben, dann wird diese Bundestagswahl eine neuerliche Spaltung in Ost und West bringen. Umfragen zeigen, dass die SPD außer in Brandenburg überall im Osten gegen die AfD verlieren wird. Das ist ein doppeltes Problem: das Land wird gesellschaftlich zerrissen – weil der Osten mit rund 20 Prozent AfD wählen wird, und der Westen keinerlei Verständnis für die verstehbaren Ursachen haben wird. Siehe zum Beispiel das Interview mit Hans-Joachim Maaz

Die Republik wird, zweitens, politisch zerrissen. Je höher die Werte für die AfD sind, desto schwächer wird die SPD und umso wahrscheinlicher wird eine Jamaika-Koalition. Ein Regierung aus CDU, FDP und Grünen wäre vielleicht eine gute Reform-Koalition, aber sie wäre zugleich eine West-Koalition; der Osten mit seinen hohen AfD-Ergebnissen würde dadurch nicht repräsentiert. (Spiegel-Online hat eine Grafik von Jamaika gefertigt, auf der man sehr gut erkennen kann, wer nicht zu dieser Republik gehört: der Osten) 

Wer über diese Wahl spricht, darf die größten Stillosigkeiten und politischen Fouls nicht vergessen, die (neben dem, was die AfD geliefert hat) begangen wurden. Ganz vorne mit dabei die Grünen und Stefan Gelbhaar. Der medienpolitische Sprecher in Berlin berichtete auf einem Landesparteitag im März stolz, wie er in der Deutschen Botschaft in Istanbul angerufen hatte, um sich nach dem Fall des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel zu informieren. „Die waren ganz verblüfft, dass da einer nachfragt“, klopfte sich Gelbhaar für sein waghalsiges Telefonat auf die Schultern – und bekam dafür von den Delegierten viel Applaus.

Sein Gegenkandidat Özcan Mutlu aber hatte nicht etwa zum Telefon gegriffen, sondern war in die Türkei gereist, um vor Ort nachzufragen und den Versuch zu starten, als MdB Deniz zu besuchen. Die Grünen fällten eine interessante Entscheidung: sie wählten den Telefonjoker Gelbhaar auf einen aussichtsreichen Listenplatz – und ließen den mutigen Mutlu durchfallen. Es wäre Özcan zu wünschen, dass er das Direktmandat in Berlin Mitte holt.

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