Werden Freie Schulen zu wenig kontrolliert? Kann sein. Sicher ist aber, dass sie zu schlecht gefördert werden

Zwei Forscher des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung haben gezeigt, dass die Behörden die Privatschulen aus den Augen verloren haben. Gemeint ist, dass sie die Höhe des Schulgelds nicht kontrollieren.

Marcel Helbig und Michael Wrase vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung haben Recht. Schulen dürfen die „Sonderung nach den Besitzverhältnissen der Eltern“, oder kurz: die soziale Spaltung, nicht verstärken. Deswegen sollten die Schulbehörden, erstens, genauer hinschauen. Weder elitäre Schulen für Reiche sollten sich absondern – noch islamische Spezialschulen. Wir sollten, zweitens, die Schulgebühren deckeln.

Wichtig ist aber vor allem, Privatschulen besser zu fördern. Schulen in Freier Trägerschaft werden ja tatsächlich nicht bevorzugt, sondern benachteiligt. Der Verfassungsgrundsatz von Artikel 7, „das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet„, dürfte jenes Grundrecht sein, das am schlechtesten sozial abgefedert ist. Die Verfassungsautoren schrieben das Recht fest. Versagt aber hat die Konferenz der Kultusminister: sie unterfütterte das Privatschulgrundrecht nie mit einer adäquaten Förderung. Die Bedingungen für Privatschulen sind daher so schlecht, dass ihre Gründung behindert wird. Das ist falsch – denn vielen Gründern geht es nicht um die Akquise Kinder reicher Eltern. Sie wollen neue, pädagogisch innovative Schulen etablieren.

Mit seiner schlechten Förderpolitik wirft der Staat den Teufelskreis also erst an, der nun beklagt wird: engagierte Schulgründer heben private Einrichtungen aus der Taufe – und müssen mit hohen Schulgebühren die Kosten wieder herein holen. Diese Gebühren lösen dann jene öffentliche Anfeindungen gegen Privatschulen aus, die wir seit einiger Zeit erleben. „Würde man das Grundgesetz ernst nehmen, müssten Schulen wie Schloss Salem oder das Bonner Aloisiuskolleg sofort geschlossen werden“, behauptete einer der Autoren der WZB-Studie – und das obwohl das Aloisius gar keine Schulgebühren erhebt. Peinlich. Dennoch kamen in der Folge sofort weitere Privatschulen wie die beiden Berliner Cosmo- und Metropolitan-Schools unter Feuer. Aber, bitte, glaubt irgendjemand, dass zwei mäßig interessante Privatschulen in Mitte die soziale Situation in Wedding oder Kreuzberg verschärfen?

Die Wahrheit ist eine andere. Bezirke wie Kreuzberg kümmern sich kaum um ihre Regelschulen – blockieren aber mit großem sozialradikalen Gestus Privatschulen. Das ist etwa im Kreuzberger Bergmann-Kiez geschehen. Dabei hatte die dort geplante private Freudberg-Schule einen explizit sozialreformerischen Ansatz. Nizar Rokbani, selbst ein Einwandererkind, wollte auch Kindern wie er eines war, beste Chancen geben. Und rund ein Drittel der Schüler vom Schulgeld befreien. Rokbani hat inzwischen in Wilmersdorf gegründet. Eine vertane Chance für Kreuzberg.

Es wäre übrigens ganz einfach, Privatschulen zu regulieren. Alle Schulen, auch private, müssen eine 15-Prozent-Quote von Hartz-IV-Kindern, Flüchtlingen und Inklusionskindern erreichen. Damit würde man Privatschulen ihren Beigeschmack des Elitären nehmen. Und das Land könnte die Schul-Debatte endlich rationaler führen.

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