Eiseskälte ablegen:

Die Grüne Partei wird heute in einer 16köpfigen Kommission darüber befinden, wie weiter mit möglichen Betroffenen grüner Propaganda und Päderastie umgegangen werden soll. Die Äußerungen der neuen Parteichefin Simone Peter geben Anlass zur Hoffnung, dass die Grünen ihre Eiseskälte gegenüber Betroffenen abgelegt haben. Die neue Arbeitsgruppe, so Peter, solle „einen angemessenen Umgang mit denjenigen finden, die unter den Debatten und Positionen der Partei zum Thema Straffreiheit für pädophile Beziehungen gelitten haben. Wir wollen Opfer ermutigen, Kontakt aufzunehmen und von ihren Erlebnissen zu berichten.“ [Fotos aus der Publikation der Berliner AL von 1980 „Ein Herz für Sittenstrolche“ und einem Briefkopf der Parteipäderasten]

„Nicht der Ort der Täter“

Bisher hatten sich die Grünen Spitzenleute durch eine sehr spezielle Art des Opferumgangs ausgezeichnet. „Sie können sich auch gerne bei uns Grünen melden, wir stellen dann den Kontakt mit Walter her“, hatte etwa die ehemalige Vorsitzende Claudia Roth über Betroffene gesagt. Fraktionschefin Renate Künast hatte im bayerischen Landtagswahlkampf 2013 behauptet, „dass wir nicht der Ort der Täter sind“, sprich: es habe auch keine Opfer gegeben. Und Jürgen Trittin hatte es gewunden abgelehnt, eine Anlaufstelle für Opfer einzurichten, da klar sei, dass „die Straftaten doch nicht Parteistrukturen zuzuordnen sind, sondern Individuen.“ (Siehe die ganze Passage unten)

Schwups

Heute ist Jürgen Trittin als grüne Spitzenperson Geschichte, genau wie Claudia Roth, Renate Künast oder Volker Beck. Die Haltung der Partei ist eine andere, wenn heute (Donnerstag) die Grünen ihre parteiinterne Aufklärungsarbeit tatsächlich beginnen. Dennoch scheint es nötig, genau hinzuschauen und Fragen zu stellen.

Opfer von Tätern oder von Schreibtischtätern?

  • Simone Peters Satz aus einem Interview (siehe oben) für die Parteihomepage lautet: diejenigen, die Opfer „von Debatten und Positionen“ geworden sind. Es ist aber völlig unzweifelhaft, dass es Opfer von grünen Tätern gegeben hat, beginnend von Dieter Ullmann über einen grüne Lokalpolitiker bis zuletzt – mutmaßlich – dem Mitarbeiter im Wahlkreisbüro von Tom Koenigs, der inzwischen zu sieben Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt wurde.

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  • Und es gab grünennahe Kommunen wie den Dachsberg oder die Nürnberger Indianer, wo ebenfalls unzweifelhaft sexueller Missbrauch stattgefunden hat. Kurz gesagt: Litten Opfer nur unter einer propädophilen Partei-Publikation aus dem Jahr 1980 „Ein Herz für Sittenstrolche“? Denken die Grünen, es gab nur Opfer von grünen Schreibtischtätern? Oder auch von grünen Tätern?

Ja, war das denn eine formelle Parteiveranstaltung?

  • Bei den Grünen, mit denen man spricht, und die sich selbstverständlich nicht zitieren lassen, wird deutlich: Die Tatsache, dass es grüne Täter gab, wird immer noch äußerst widerstrebend zur Kenntnis genommen. Es ist, wie es sehr oft bei der Aufklärung von Missbrauch ist: Zunächst wird die Tat bestritten. Wenn dies nicht mehr geht, wird der Täter aus der Institution ausgegliedert, entweder tatsächlich oder gedanklich. Wenn jemand Täter war, dann war er immer nur zufällig Grüner und Täter. Gab es Taten da, wo grünes Gedankengut herrschte, wo sie sich trafen, wo ihre Ideologie der sexuellen Befreiung des Kindes Zeitgeist war, wird maliziös gefragt: Ja, war das eine formelle Parteiveranstaltung oder -struktur?

Pädophilie-Debatte – oder sexualisierte Gewalt?

  • Es lohnt sich auf die Semantik der Grünen zu achten. Es geht immer nur um eine Pädophilie-Debatte – nie aber um sexuellen Missbrauch oder sexualisierte Gewalt. Selbst in dem Beschluss, der zur heutigen Gründung der 16köpfigen AG geführt hat, kommt das böse „Missbrauch“-Wort nur einmal vor – in der Anrede für den Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung. 

Wir haben bei den Grünen um ein Gespräch über die Ziele und die Instrumente der neuen AG angefragt, und zwar bei der Vorsitzenden der AG, Simone Peter. Fortsetzung folgt.

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Interview-Passage aus der Welt am Sonntag mit Jürgen Trittin (vom 11. August)

Welt am Sonntag: Sie könnten eine Anlaufstelle für Opfer einrichten…

Trittin: Es handelt sich um Straftaten, die man nicht billigen kann. Aber die Straftaten sind doch nicht Parteistrukturen zuzuordnen, sondern Individuen. Aufgabe von Herrn Walter ist es, die Haltung der Partei zu solchen Straftaten aufzuklären.

Welt am Sonntag: Es wird also – anders als im Fall der katholischen Kirche – keine Ansprechpartner für Opfer geben.

Trittin: Ich kenne niemanden, der behauptet, es habe systematischen Missbrauch innerhalb der Partei der Grünen gegeben. Einzelne Grüne werden verdächtigt, Straftaten begangen zu haben. Ich halte deshalb den Weg, den wir gehen, für richtig.

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