Deutsche Schulleiter wünschen sich Instrumente, um gescheiterte Lehrer schneller von den Kindern wegzubekommen. In der FAS gibts heute erschien jüngst einen Report über solche failing teachers; über Leute, die den Auftritt vor der Klasse nicht hinbekommen. Mehr dazu als Nachricht in der FAS und in der Holz- inzwischen auch lange in der online-FAS das Stück mit vielen Schulleitern, Bildungsforschern, Eltervertretern usw.

In einem kurzen making of sollte man erzählen: Es ist ein Hammer-Thema, und quasi alle lügen sich in die Tasche. Dabei ist es ganz offensichtlich: Die deutsche Lehrerbildung wählt viele falsche Bewerber aus, das Beamtenrecht macht den Job attraktiv für Leute, „die den Sicherheitsbereich Schule nicht verlassen wollen“ (Philologenverbandsvorsitzender Meidinger) – aber mit der Verbeamtung setzt man diese Leute dann trotzdem auf unkündbar.

Hier noch weitere Stimmen der Lehrerverbände – in denen Bemerkenswertes steht:

Hans-Peter Meidinger, Philologenverband

Ich bin dafür, bei Lehrerbiografien möglichst weit vorne an der Schraube zu drehen und sie nicht hinten abzubrechen. Das heißt, man vor Beginn des Studiums die Eignung feststellen – und die dafür geeigneten Leute gut auf die Schule vorbereiten. Dann stellt sich die Frage, ob man einen Lehrer entlassen können soll, im Grunde gar nicht mehr.“

 Lehrer, die 30 Schülerjahrgänge unglücklich machen.“

„Man muss alles tun, damit die falschen Leute erst gar nicht im Lehrerberuf landen, dann muss man auch nicht über Kündigung nachdenken. Im Übrigen gibt es sogar Möglichkeiten, Lehrer bei Dienstunfähigkeit aus dem Beamtenverhältnis zu entlassen – aber die werden sehr selten genutzt.“

„Es werden Personen Lehrer, von denen ich sagen würde, die sind dann 30 Jahre in ihrem Beruf unglücklich – und machen dabei 30 Schülerjahrgänge unglücklich.“

 Sich vor der bösen Welt da draußen schützen

„Es gibt Menschen, die Lehrer werden wollen, weil sie Schule als Sicherheitsbereich kennengelernt haben und den am liebsten nicht verlassen würden. Die möchten sich gerne schützen vor der bösen Welt da draußen. Die bringen aber leider nichts von dem mit, was man von einem guten Lehrer erwartet“

Klaus Wenzel, BLLV

„Ich bin ein großer Freund der Prävention. Wir sollten angehenden Pädagogen schon vor dem Berufseintritt die Möglichkeit geben, zu erfahren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie den Lehrerberuf erfolgreich meistern können.“

zur Einsicht kommen, dass es besser wäre, sich zu trennen

„Wir gehen das Thema Lehrerversagen bislang sehr unprofessionell an. Es wird tabuisiert, dass jemand als Lehrer mit seinem Beruf nicht zurecht kommen kann. Eine Supervision kann da hilfreich sein. Sie muss nicht zwangsläufig dazu führen dass man wieder zusammen findet. Sie kann, wie bei einem Paar in der Krise, auch zu der Einsicht führen, dass es besser wäre, sich zu trennen. Es fällt dann leichter zu sagen, ‚ich such`mir etwas anderes.’“

„Was ein Lehrer anrichtet, der sich allein gelassen fühlt, kommt den Schülern und dem Staat viel teurer zu stehen. Denn es geht nicht darum, dass diese Lehrer sich drei Jahre schlecht fühlen, sondern die tragen ihr Problem oft durch mehrere Schülergenerationen hindurch.“
„Es gibt die Möglichkeit, Lehrer in eine andere Verwendung zu entlassen. Sie wird nur viel zu selten genutzt.“

an die nächste Schule weiter reichen ist wirklich zynisch

„Lehrer, die mit sich und ihren Schülern nicht zurecht kommen, an die nächste Schule weiter zu reichen, ist eine Möglichkeit, die wirklich zynisch ist. Wenn Jemand, der als Lehrer überfordert ist, die Stelle wechselt, dann muss das heißen, dass er keine Schüler mehr unterrichten sollte. Die Alternative ist, ihn in den Innendienst einer Schulbehörde oder ins Kultusministerium zu versetzen.“

Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der GEW

„Das Entlassen von Lehrern ist nicht unser Thema. Immer nur abschrecken ist keine Lösung. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, damit man einen Lehrer nicht entlassen muss. Ich meine damit allgemein eine Kultur des Qualifizierens und eine Kultur des Hinsehens.”

„Es gibt leider viel zu wenig Möglichkeiten zur Supervision für Lehrer. Das ist ein großes Problem – in einem so anspruchsvollen und komplexen Beruf, wie ihn Lehrerinnen und Lehrer ausüben. Dafür gibt der Staat fast nichts.“

dass solche Lehrkräfte auch gemobbt werden

„Ich weiß als langjährige Personalrätin, dass es vorkommt, dass solche Lehrkräfte auch gemobbt werden, damit sie von sich aus gehen. Aber das ist kein anständiger Weg. Es müssen alle Hilfsangebote ausgeschöpft werden, um diese Lehrkräfte zu unterstützen. Alle Einzelfälle sind genau zu prüfen.“

„Ein junger Lehrer mit gutem Standing kann ins Kollegium kommen und sagen: ‚Mensch, da ist mir jetzt was passiert, was ein Fehler gewesen sein könnte. Was sagt ihr dazu?‘ Leider fehlt in der Schule oft die Zeit, schwierige Fragen in Ruhe miteinander zu besprechen.“

nicht erinnern, dass Lehrer wg pädagogischer Fehlleistung gehen musste

„Ich war viele Jahre im Hauptpersonalrat, und ich kann mich nicht erinnern, dass ein Lehrer wegen pädagogischer Fehlleistung hätte gehen müssen.“

Erfrischend die Debatte in GB und den USA. In Großbritannien wurden die Möglichkeiten vereinfacht, pädagogische Fehlleister entlassen oder umsetzen zu können; in den USA diskutiert man darüber, die schlechtesten 5 bis 10 Prozent der Lehrer auszuwechseln – gegen mittlere Performer.

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