Es begegnen sich zwei Welten, wenn die Menschen von den Start ups auf die in den Bildungseinrichtungen treffen. Die einen sprühen vor Aufbruch, wollen vieles ändern, haben Skalierung (und Profit) im Sinn – die anderen betonen den pädagogischen Primat, verweisen auf die Flut von Veränderungen seit Pisa und warnen vor dem Wort Profit. Morgen begegnen sich diese Welten beim Edu-Start-up-Weekend in einer Berliner Schule. Und ich will im dritten #DigiQuartett mit Akteuren die Frage diskutieren:

Bildung für das 21. Jahrhundert: Disruption durch Start ups oder Disruption der Start ups? 

Das DigiQuartett findet in der Phormsschule in der Berliner Ackerstr. 76 statt, das Quartett ist genau wie der anschließende Pitch der Start-up offen. Es wird, wie üblich, munter sein und sich an Marcel Reich-Ranicki orientieren. Mit dabei sind diesmal:

Katja Hintze von der Stiftung Bildung

Frank Thalhofer, Geschäftsführer des Cornelsen-Schulbuchverlags

Steffen Ganders, Director Corporate Affairs von Samsung Electronics

Wenn Sie Fragen für das DigiQuartett haben, dann posten Sie hiereinen Kommentar. Oder twittern Sie in den Livestream hinein, der via Pisaverstehers Twitteraccount @ciffi laufen wird.

Auch in diesem DigiQuartett wird – wie im Literarischen Quartett – ausgehend von konkreten Beispielen diskutiert. Katja Hintze will kurz die Seite Leidmedien.de vorstellen, das die klischeehafte und irreführende Sprache über Menschen mit Handikaps verändern will. Ich werde das Projekt Privalino vorstellen, dass ist ein kindersicherer Instant Messenger, der Kinder zwischen 6 und 10 Jahren in der Online-Kommunikation schützt. Frank Thalhofer bringt als Beispiel die ecademy als neuen Anbieter in der dualen Ausbildung ein.

Im DigiQuartett bringen die DiskutantInnen ihre Thesen mit und ein, hier sind sie:

Themen und Thesen

Steffen Ganders, Samsung

Das Mantra vom lebenslangen Lernen ist aktueller denn je. Bildung & Weiterbildung sind dafür ganz entscheidend. Das ist eine riesen Chance für Start-ups. Das müssen wir als (smarte) Gesellschaft gemeinsam fördern.

Bedingung für eine notwendige Transformation der Bildung ist die Erkenntnis, dass neue digitale Methoden & Inhalte im Unterricht kein Selbstzweck sind. Nur so können wir eingespielten Strukturen verändern und überhaupt über Innovationen reden. Da sind wir noch nicht am Ziel.

Start-ups sind die Idee- und Impulsgeber, wie die smarte Gesellschaft von morgen aussehen kann und wie die sozialen Herausforderungen gemeistert werden können. Das Social Entrepreneurship braucht daher viel mehr Aufmerksamkeit.

Katja Hintze, Stiftung Bildung

Disruption und Strukturwandel braucht einen Kompass, Neues um das Alte fortzusetzen wird nicht funktionieren. Es braucht teamorientiertes, modernes, digitales, aber vor allem partizipatives Vorgehen, damit nicht nur immer mehr gewusst, sondern auch gehandelt wird.

Bildung muss sich neu erfinden und den Herausforderungen von Jetzt und Morgen stellen, sowohl was die digitalisierte Lebenswelt angeht wie auch globalen Herausforderungen wie Vielfalt, globale Fairness, Klimawandel, Armut, Glück und Frieden.

Start Ups im Bildungsbereich – hier muss gerade über content und Kontext gesprochen werden. Bildungseinrichtungen sind nämlich künftig Gestaltungsort für eine nachhaltige Entwicklung, nur so können wir den globalen Herausforderungen begegnen.

1: Mut zum Sprung – lerne ich das heute in der Kita, Schule, Uni, Ausbildung?

2: Kita- und Schulfördervereine: einfach engagiert sein… heißt Herausforderungen angehen und Ideen umsetzen – klingt ganz nach Start up!

3: Verantwortung tragen, Risiko einschätzen, Scheitern-Krone-richten-aufstehen-weitergehen, Lebenstraum und Co. – ist unser Bildungssystem darauf ausgelegt?

Frank Thalhofer, Cornelsen

Start-ups:  Die Digitalisierung des Bildungssystems erfordert eine große gemeinsame Kraftanstrengung. Start-ups bilden dabei eine agile Gruppe, von und mit denen es zu lernen gilt.

Digitalisierung: Wir sind vom Mehrwert der Digitalisierung überzeugt und glauben, dass sich Bildungs- und Lernprobleme unter Einsatz neuer Technologien besser lösen lassen.

Bildungsrevolution: Kann sich das Bildungssystem eine Bildungsrevolution leisten oder sollten es nicht eher eine gezielte Bildungsevolution geben?

Finanzierung: Bei den Diskussionen um Finanzierung darf es nicht nur um Infrastruktur und Hardware gehen, sondern auch um sinnvolle Inhalte und die Fortbildung der Lehrer.

Christian Füller, Pisaversteher

Wer D wie Digitalisierung sagt muss auch H wie Handyverbot sagen: ohne handyfreie Zonen und Zeiten wird ein verlässlicher wie kreativer pädagogischer Raum nicht zu schaffen sein.

Smartphones und Tablets (also Internet plus Plattformen, Apps etc) sind Möglichmacher neuen Lernens mit mehr Partizipation. Sie bringen einen grundlegenden Wandel der Schulkultur – aus Lernenden werden Teilgeber, aus Lehrer*innen (auch) Lernende.

Ein Kulturwandel in der Schule ist dringend nötig: die KMK-Schule zerstört sich selbst. Endemischer Lehrermangel, G8/G9-Chaos, Inklusion als Sparbüchse – die Kultusminister sind disruptiver als jede Digitalisierung

Start ups können die Moderatoren, Brückenbauer und Antreiber einer neuen Schulkultur sein – wenn sie Lehrende achtsam miteinbeziehen

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