Warum die Bafög-Milliarden verschwinden – und die Kommunen kein Geld für Tablets haben

Digitales Lernen, also der Einsatz von Tablets, Blogs usw. in der Schule, steht vor der Tür. Allenthalben in Deutschland wird getestet und probiert. Viele Schulen freilich klagen über das Problem, die Geräte und Plattformen zu finanzieren.

Vergangene Woche fand dazu eine ganze Reihe von Veranstaltungen statt – zum Thema Geld gab es allein zwei Events: Der Vorschlag eines Pakts für digitale Bildung (von Microsoft) und eine Diskussion über das Thema: Geld spielt eine Rolle?, der #ndbtalk des Netzwerks Digitale Bildung, den ich moderiert habe. An der Debatte nahmen teil: Ulrike Heuer (Stadt Köln), Valentina Kerst (topiclodge), Jana Kausch (D 21), Özcan Mutlu (MdB Grüne) und Josef Blank vom Netzwerk. (Hier der Link zur ganzen Debatte)

Am Ende Ratlosigkeit

So interessant vor allem der Mittwoch mit dem #ndbtalk und dem Pakt für digitale Bildung war, am Ende blieb Ratlosigkeit: Warum?

Weil es keinen Ausweg zu geben scheint. Weil niemand eine Antwort geben kann auf die bohrende Frage der Beraterin Valentina Kerst, die im #ndbtalk nach einer flächendeckenden Strategie fahndete. >>> Link Netzwerk Digitale Bildung.

Valentina Kerst, topiclodge
Valentina Kerst, topiclodge

Die Finanzierung des digitalen Lernens ist eingeklemmt zwischen armen Ländern und Kommunen, einem Bund, der nichts geben darf, einer knausernden Industrie – und Eltern, die diese Industrie nicht drin haben wollen. 

Hören wir in die entscheidenden Minuten der Debatte beim Netzwerk Digitale Bildung rein:

Beim Bafög-Geld handelt es sich um 1,2 Milliarden Euro, die der Bund für die Länder übernommen hat – d.h. dieses Geld ist nun jedes Jahr in den Länderetats frei. So wurde es übrigens vereinbart, wie eine Kleine Anfrage der Linken zutage gefördert hat.

Die Rollen sind in etwa so verteilt: Der Mann von der Wirtschaft fragt: Was ist denn mit dem Bafög-Geld? Der Bundestagsabgeordnete sagt: Das Bafög-Geld ist weg, zwar für Bildung, aber weg. Die Frau von der Stadt sagt: Nicht mal wir Kommunen kommen da richtig ran. Die Beraterin meint: Richtig, gute funktionierende Modelle gibt es nicht. Und Jana Kausch von D 21, immerhin die wichtigste deutsche Interessenvertretung für das Internet, bestätigt: Keine Ahnung, wie das gehen soll.

Nicht alle wollen das selbe

Dann meldeten sich die Twitterer, René Scheppler zum Beispiel: Und auch wenn er sich freute, in die Debatte eingebunden zu sein, happy war er nicht über die Idee, die Wirtschaft einzubinden. Es wollen nicht alle das selbe – freundlich gesagt.

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Und René steht nicht alleine mit seinem Widerwillen gegen wirtschaftsgetriebene Bildungsmodelle. Ulrike Heuer brachte die Sicht der Eltern mit ein:

Microsoft hatte am gleichen Tag einen Pakt für digitale Bildung vorgeschlagen.

Bildung ist die Grundlage für ein Digitales Wirtschaftswunder. Dafür brauchen wir jetzt einen Digitalen Bildungspakt für Deutschland. (So lautet die Quelle, siehe Link)

Das solle bedeuten, dass Bund, Länder, Gemeinden, die Industrie und auch Lehrer und Eltern sich zusammen tun. Als ich am Donnerstag dann den Microsoft-Mann für Bildung beim Kongress #ExcitingEdu traf, fragte ich ihn:

Heißt das denn, dass die Industrie eventuell Geld einbringen werde – wenigstens als Anschub und um Druck auf den Staat auszuüben?

„Die Wirtschaft tut schon ne Menge“

Nö, falsch verstanden, sagte dazu Stefan Schick: „Die Wirtschaft tut finanziell schon eine ganze Menge mit Gratisprogrammen und Rabatten“, bremste er, der Leiter Geschäftsbereichs Forschung und Lehre Microsoft Deutschland.

Und sein Kollege Martin Rist von Hewlett Packard meinte, dass das Engagement der Industrie nicht gewünscht sei: „In den Schulen gibt es oft Ressentiments gegen die Industrie.“

Damit hat er ja Recht – wenn man Ulrike Heuer glauben darf.

Aber dann sind wir bei der Finanzierung der digitalen Bildung in der Sackgasse. Keiner bewegt sich wirklich.

Alle wollen eine Gesamtstrategie. Aber wie die aussehen soll, ist völlig unklar.

Warum wäre es wichtig, eine Perspektive zu haben? Wegen der Lehrer, sagt Bob Blume, selber Lehrer, beim Kongress #ExcitingEdu

 

 

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