Eins muss man ihm lassen, Armin Himmelrath hat mit dem Hausaufgabenthema einen Musikantenknochen der Gesellschaft getroffen. Überall in den Blättern raunt es, sogar die BILD (paid content) hat sich des Themas angenommen.

Das Problem an den Thesen Armins ist: Er hat das richtige Thema am Haken – aber er hat es blöderweise ganz falsch aufgehängt: Der arme Armin quackelt immer von Pflicht und von Abschaffen und von den bösen Lehrern. Es geht aber um Freiheit und neu machen und nervigen Eltern.

Siehe hier, was vor allem Mütter täglich mit ihren Kindern unter dem Thema „Hausaufgaben“ veranstalten – großartig:

Was ich an Armins Text&Thesen im Detail rumzumäkeln habe, das ich hier im Cicero und hier in einem Storify dargestellt. Bildschirmfoto 2016-03-09 um 17.21.35

Und es wird ja eine ganze Reihe von Anlässen geben, zu denen über Armins interessantes Buch im hep verlag gesprochen und – hoffentlich – gestritten wird. Am kommenden Dienstag bei #edchatde im 140-Zeichen-Format, am 22. Februar in einem Hangout bei scoyo und am 19. März bei der Leipziger Buchmesse.

Nun will André Spang, der @tastenspieler, einen Hangout direkt im Anschluss an den edchat veranstalten, und ich finde das eine gute Idee. Dort könnte man sich über das Hauptproblem des Himmelrathschen Ansatzes unterhalten – dass er von einem Begriff von Schule ausgeht, der – freundlich gesagt – überholt ist. Denn Schule2.0 kennt Hausaufgaben nicht mehr – wiewohl sie Aufgaben, die Schüler (Lernteilgeber) eigenständig bearbeiten, sehr wohl kennt.

Das Lernen des 21. Jahrhunderts wird die Haus-Aufgabe als Pflicht, die zuhause erledigt werden muss, mehr und mehr ablegen. Schüler werden überall arbeiten, zunehmend außerhalb der Schule, in virtuellen Klassenzimmern, in sozialen Projekten und ab und zu auch zuhause. 

Ein paar Beispiele: der flipped classroom ist ohne die „Hausaufgabe“, sich ein Video zuhause anzusehen, gar nicht denkbar. Genau betrachtet, wird die Hausaufgabe sogar verdoppelt – und verändert:

Die Schüler haben die aufgenommene direkte Instruktion des Lehrers zuhause gesehen. Dann wird in der Klasse die Erarbeitung vorgenommen – was wir normalerweise als Hausaufgabe angesehen zu haben. 

Die eigenständige Projektrecherche, die ein Lehrer im Unterricht anstößt, ist ebenfalls ohne Hausarbeit nicht machbar – es ist halt ein ganz anderer Typus. Und das Zusammenbauen einer Multimedia-Doku, die mehrere Schüler gemeinsam außerhalb des Unterrichts vornehmen, findet evtl. auch Zuhause statt.

Darüber müssen wir endlich nachdenken. Und nicht über die abstruse Idee, es gebe seit 500 Jahren Hausaufgaben. Es gibt ja erst seit dem Preußischen Landrecht überhaupt Schulen für das Volk. Aber das nur nebenbei. 😉

 

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