“Im Zweifel für Veröffentlichung”

“Im Zweifel für Veröffentlichung” – das war Daniel Cohn-Bendits Prinzip als presserechtlich Verantwortlicher des Pflasterstrand. (Siehe Ausschnitt) Heute, da es darum geht, seine Äußerungen über den sexuellen Missbrauch von Vier- bis Sechsjährigen zu verstehen, ist der Grüne Europaparlamentarier ganz anderer Auffassung. Das ist unpraktisch. Denn wir müssen die mindestens klammheimliche Duldung pädophiler Propaganda durch viele 68er und Grüne einordnen. Foto-1

Grünes Gedächtnis hat blinden Fleck

Sein Büro hat wichtige Akten im Archiv der Böll-Stiftung gesperrt – bis zum Jahr 2031. Das Grüne Gedächtnis hat bei der Aufklärung von Grenzüberschreitung und Pädophilie in den 1970er und -80ern also einen blinden Fleck.

Es ist zu erwarten, dass die Grünen – wie bereits am vergangenen Wochenende der Preis-Verleihung an Cohn-Bendit durch die Heuß-Stiftung – wieder diese Nummer fahren: “Verleumdungs-/Schmutzkampagne, verkürzte und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate”. Daher hier ein paar Belege im Voraus. Daniel Cohn-Bendit hat die Bitte um Freigabe der Akten rund um den Großen Basar [Zitat, siehe unten] zurückgewiesen. Foto

C’est la vie, sagt Cohn-Bendit

Er hat auch das Angebot abgelehnt, die Akten gemeinsam zu lesen. Auch ein Interview und selbst ein Interview unter Moderation hat Herr “Im Zweifel für die Veröffentlichung” abgelehnt: “C’est la vie”, sagte er. Die Akte Cohn-Bendit reicht von 1975 bis 2001, Korrespondenzen bis 1983 wären nach Archivgesetz frei. Der ansonsten überaus freundliche und hilfsbereite Archivleiter Christoph Becker-Schaum ist nicht bereit, die Akte in zwei Teile zu zerlegen: Einen von 1975-1983 und einen von 1983-2001 – dann wären die Elternbriefe, die angeblich in dem Ordner sind, und andere Äußerungen zum Großen Basar von 1975 recherchierbar, dann wäre das möglich, was die ersten Grünen fordern, darunter Ministerpräsident Winfried Kretschmann: Aufklärung.

Pressekampagnen gegen Daniel Cohn-Bendit

Unten die Belege, dass und was gesperrt ist, obwohl die Schutzfrist von 30 Jahren bereits abgelaufen ist: “Pressekampagnen gegen Daniel Cohn-Bendit”.

„Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln.“ Und dann? Das habe ihn vor Probleme gestellt. „Aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt.“ Das ist nicht nur eine alte Geschichte, sondern auch eine ungeheuerliche. (Auszug großer Basar)

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“Aber doch nicht mit Kindern”

In den 1970ern wurde viel diskutiert und probiert. Heute wissen wir, dass Erwachsene die Sexualität des Kindes niemals zu ihrer Befriedigung nutzen dürfen

Interview mit Thea Vogel, Autorin des Briefes, der Daniel Cohn-Bendit im Jahr 2001 von dem Vorwurf entlastete, er habe Kinder missbraucht

Pisaversteher: Frau Vogel, Sie haben 2001 den Brief geschrieben, in dem Sie und andere Eltern Daniel Cohn-Bendit von dem Vorwurf freisprachen, er könnte Missbrauch begangen haben. Wie kam das damals?

Thea Vogel: „So genau hatte ich den Großen Basar nicht gelesen. Ich war aber erschüttert, wie dieses Buch, das er 1975 geschrieben hatte, 2001, also 26 Jahre nach seinem Erscheinen, durch die Presse skandalisiert wurde. Ich war empört darüber, dass daraus eine Kampagne gegen Dany gemacht wurde, um ihn politisch zu diskreditieren. Ich fand auch die Anschuldigung gegen Dany, dass er pädophil sei, vollkommen haltlos.”

Trotz der problematischen Stelle?

“Ich hatte die entsprechenden Stellen in dem Buch eher für eine Provokation gehalten. Mein Sohn war damals nicht in der Universitäts-Kita, um die es in dem Buch ging, sondern in der Krabbelstube im Haus der Freien Schule. Den damaligen Brief haben Eltern unterzeichnet sowohl aus der Uni-Kita als auch aus unserer Krabbelstube. Dany war später, 1981, als Bezugsperson für unseren Sohn tätig, zusammen mit einer Frau. Ich und die anderen Eltern hatten vollstes Vertrauen zu ihm, wie auch die Eltern aus der Uni-Kita, die den Brief auch unterschrieben haben. Die Qualität der Betreuung war uns Eltern sehr wichtig: So waren die beiden Bezugspersonen für 8 Kinder immer zu zweit, weil die Kinder noch sehr klein waren (ein bis zwei Jahre alt). Für viele, vor allem junge Menschen ist es heute schwer, zu verstehen, dass die 70er Jahre eine ganz andere Zeit waren.

Was meinen Sie damit?

Wir waren junge Leute, Dany und wir kannten uns alle aus der Studentenbewegung. Uns hat damals vieles gestört, dagegen haben wir an vielen Stellen diskutiert und manchmal auch provoziert. Dazu gehörte auch die verklemmte und falsche Sexualmoral. Die sexuelle Aufklärung war eine Katastrophe in den 1950er und 60er Jahren, Eltern oder Lehrer schwiegen entweder peinlich berührt oder erzählten falsche Dinge wie z.B. dass Onanie krank mache. Und wir dürfen nicht vergessen, dass vor allem viele Frauen unter der traditionellen Sexualpraxis gelitten haben.“

Was haben Sie dagegen gemacht?

“Vor dem Eltern-Werden haben wir vor allem innerhalb der Frauenbewegung detailliert über Sexualität diskutiert, weil wir Frauen herausfinden wollten, welche Bedürfnisse wir wirklich haben. Kenntnis und Erforschung des eigenen Körpers, selbstbestimmte Sexualität, Kritik an der patriarchalischen Gesellschaft waren Themen dieser Zeit. Parallel dazu entstand die Debatte über antiautoritäre Erziehung.”

Was machen Sie heute und wie stehen Sie zu den Ideen von damals?

Ich war damals Lehrerin und arbeite nun seit langem in einem Familiengesundheitszentrum. Ich finde frühe und ungezwungene sexuelle Aufklärung von Kindern immer noch vollkommen richtig und wichtig. Selbstverständlich stehe ich dazu. Mir ist es aber wichtig, dass die Kinder die Grenzen setzen. Das heißt, ich werde in einem Gespräch mit einem Kind über seinen Körper oder seine Sexualität nur das thematisieren und beantworten, was es selbst wissen möchte. Ich würde nicht aktiv dem Kind Themen wie Geschlechtsverkehr oder Geschlechtsteile aufoktroyieren.“

Und bei den Handlungen, die beschrieben sind?

Hier gibt es für mich ganz klare Richtlinien: Ich mache natürlich nichts mit dem Kind, was meiner eigenen sexuellen Befriedigung dient. Das gilt ganz grundsätzlich: Niemand darf die Gefühle und Bedürfnisse eines Kindes für seine Erwachsenensexualität nutzen. Mit anderen Erwachsenen ja – aber doch nicht mit Kindern.“

Was heißt das genau?

Wenn es passiert, dass sich ein Kind forschend nähert, dann muss ich ganz klare Grenzen einhalten. Wenn dabei eigene sexuelle Wünsche entstehen, muss ich mich zurückziehen.“

Wie lesen sie Daniel Cohn-Bendits Stellen im Großen Basar heute?

Ich finde völlig unangebracht, was da beschrieben ist. Das sieht Dany heute doch auch selber so. Ich muss als Erwachsener sagen: Stopp! Und mich nicht auf zwiespältige Handlungen einlassen.

Wie finden Sie seinen Umgang mit dem Thema?

Ich frage mich, was das mit Dany macht. Ich glaube, er leidet unter den immer wieder erhobenen Anschuldigungen, die ja daraus entstanden sind, dass er ein großer verbaler Provokateur ist. Er spitzt Dinge zu und präsentiert sich gern als Avantgarde. Das hat in vielen Punkten sein Gutes, weil es Bewegung in manche Debatten bringt. Aber es kann auch, wie jetzt, immer wieder gegen ihn hochgekocht werden. Ich bin mir sicher: Er weiß schon lange, dass die besagten Aussagen eine sehr blöde Beschreibung waren, dass er den Bogen der Provokation überspannt hatte. Das macht es ihm heute vielleicht schwer, sich offensiv zu dem Thema zu äußern. Seine Bemerkungen beruhten nicht auf realen Handlungen sondern waren Fiktion – eine Zusammenfassung der Diskussion über Sexualität von Kindern und Erwachsenen, die auf der Suche war. Aber es ist ausgeschlossen, dass er etwa pädophil sein könnte oder eine solche Denkrichtung verteidigt . Er war als Person kein bisschen anzüglich.“

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Digitale Erlösung?

Berlin, Hamburg, Frankfurt – überall wird un/konferiert und ge/bar/campt, um die Segnungen mobilen Lernens zu feiern. Wo bleibt der Praxistest mit Lehrern wie Dir und Mir?

Ja, was denn nun!

Ist das digitale Lernen mit own devices, Tablets, mit Wikis, Blogs, Apps etc. pp. nun die Zukunft?

Oder ist es die weitere Verdünnung und Verflüssigung der didaktischen und kognitiven Substanz des Lernens?

Man weiß es nicht. In Hamburg ging es gerade wieder 1:1 aus. Auf dem 11. EduCamp in Hamburg, der größten selbstorganisierten Un-Konferenz der pädagogischen digitalen Intelligenz bisher, trafen sich 200 Cracks – und Dilettanten.

MineCraft-Schule in 3D

Der Lehrer Thorsten Groß, so berichtete er dort in einer Session, trug das Format BarCamp ins Gymnasium. Informelles Lernen goes superregulierte Anstalt, intrinsisches Arbeiten erobert äußerliche Lehrplanbefolgung. Die Schüler bauten bei Groß alias @mctuxman, unter anderem, mit dem Programm MineCraft ihr Gymnasium virtuell nach, als 3D-Modell. Bei einem GamesCamp an der Schule. Und beantworteten später bei einem AbiCamp die verwirrend dummen wie intelligenten jegliche Fragen künftiger Oberstufler. „Alle Kollegen, die bei dem BarCamp mitgemacht haben, waren begeistert. Die anderen verstanden oft noch nicht, worum es geht.“ Ein Highlight in der Schule – und zugleich eine gelungene Session beim Hamburger EduCamp. Mehr zum AbiCamp gibt’s hier.

Aber es gab eben auch das in Hamburg. Eine Sitzung zur Gretchenfrage der Didaktik: Wie können iPads, Wikis, Blogs und so weiter die Eroberung der Lerngegenstände vereinfachen? Kurz: Didaktische Modelle für digitale Medien. In der stinknormalen Schule sind die Fachdidaktiker so etwas wie die revolutionären Garden der Zitadelle Gymnasium. Wer das Lernen verändern will, muss da also ran. In der Session kein Wort davon. In einer Einführungsrunde versprachen sich alle Teilgeber, wie man die Insassen einer BarCamp-Session nennt, wie sehr sie daran interessiert seien, didaktische Kniffe mal ganz konkret kennen zu lernen.

Und das war’s dann auch.

Keiner, niemand konnte ein konkretes Unterrichtsbeispiel aus einer Schule und/oder einem Fach berichten, wo ein App, ein Gerät oder eine Plattform das Lernen irgendwie verbessert hätten. Schmerzlich wurden @HerrLarbig (Torsten Larbig) aus Frankfurt oder der Kölner @Tastenspieler (André Spang) vermisst, die an ihren Gymnasien mit allerlei digitalem Schnickschnack das Lernen von morgen bereits praktizieren.

Gezielter Einsatz im nirgendwo

„Ich setze die Tablets ganz gezielt ein, die Schüler müssen bei mir ein Blog führen!“, behauptete hingegen in Hamburg eine Lehrerin. Und in welchem Fach? „In Informatik“. Mehr war nicht – und das in der für die Breitenwirkung vielleicht wichtigsten Session am Wochenende, der zu Didaktik. Nicht einmal der Begriff Didaktik ließ sich klären. Stattdessen wurde plötzlich der „postheroische Unterricht“ (nach David Klett nach Dirk Baecker) beschworen – der sicher eine gute analytische Kategorie ist. Aber ein operativer Begriff, um Unterricht2.0 besser zu strukturieren?

Die Schulrepublik ist nervös, das neue Lernen steht irgendwie vor der Tür. Vielleicht. Korea wird in zwei Jahren nur noch digitale Schulbücher haben. Jeder Schüler dort soll Besitzer eines kostenloses Tablets sein werden . Sogar die Türkei hat die kleinen, flachen Wunderdinger bestellt ausgeschrieben. In Deutschland ruht der See still. Die föderale Bildungspolitik ist viel zu dement, um auch nur darüber nachzudenken, ob man darüber nachdenken sollte, ob man Schulen digitalisieren könnte. (!)

Demente Bildungsrepublik, digitale Pfadfinderei

Immerhin: Allenthalben treffen sich Initiativen und Gruppen, um das neue Lernen zu sondieren. Autodidakten und Einzelkönner aus Schulen, Pfadfinder der Industrie und Nerdcrowds wie das Co:llaboratory Lab. Nicht nur in Hamburg. Morgen Heute laden Zeit und Telekom-Stiftung zur Bildungskonferenz 2013: „Computer sind cool, Tablets noch mehr“, lautet der erste Satz der Einladung. Der Nachteil all’ dieser Veranstaltungen: Otto und Ottilie NormallehrerIn tangieren diese Nerd-Treffen kein bisschen. Außer in Frankfurt Ende nächster Woche vielleicht, wo die Bundesarbeitsgemeinschaft Freier Alternativschulen selbstbestimmtes Lernen in der digitalen Gesellschaft diskutieren will, bleibt die Konfrontation zwischen Lehrern oder gar kritischen Lehrern und den nicht mehr ganz so neuen Medien aus.

- unter anderem mit @gibro über Spielen /Gamen, @jmm_hh über Facebook -Knigge, @lammatini über Mut und Scheitern, @Ue_Trainer über Tablets in der Klasse, @ mons7 über Mooc’s

Dabei gibt es bereits Beispiele, wo das mobile Lernen in der Realität erkennbar wird – und sich als Gewinn erweist. In Hamburg präsentierte eine Berufsschullehrerin der Elly-Heuss-Knapp Schule Neumünster einen blended learning-Ansatz, also einen Verschnitt von virtuellem und realem Lernen, der auf seine Art ausgefeilt ist. Friederike Pelz bildet Fachkräfte für Pflegeassistenz aus, sie kann es nicht brauchen, wenn ihre Schüler „sich im Altenheim falsche Handgriffe angewöhnen, die für die Patienten schmerzhaft sind.“ Deswegen schätzt sie „das direkte und schnelle Feedback über die virtuellen Instrumente.“

Didaktik by Dr. Wurst

Mancher der Zuhörer mochte die Nase rümpfen ob des eLearning-Stoma-Kurses, bei dem die SchülerInnen aus der Distanz mit Hilfe von Bildern, Texten und Dateien büffeln, wie man einen künstlichen Darmausgang schmerzfrei wartet. Aber Berufsschullehrerin Pelz hat im Wortsinn einen Plan – und Begriff von individuellem Lernen: „Ich finde es gut, wenn die Schüler nicht alle zugleich durch den Kurs durch sind – dann kann ich mich ihnen nacheinander viel genauer widmen“. Und die nächste Stufe wartet schon: Das virtuelle Altenheim – „da wird es dann noch individueller“. Nämlich, wenn der eine Pflegeschüler bei Charakteren wie dem Lehrer Eddy was lernt – und der andere gleichzeitig eine Lektion von Stationsarzt Dr. Wurst bekommt (womöglich wieder über Darmausgänge).

Das Format EduCamp war bisher das lebendigste und fortschrittlichste. Es war viel schneller und innovativer als etwa die ZEIT-Konferenzen. Weil es viel Know How zusammen bringt, immer die experimentellsten Formate probiert und die Potenz der Teilgeber mobilisiert. Aber trotz der großen Zahl an Leuten in Hamburg zeigte sich so etwas wie eine Entfremdung. Zwischen superklugen Leuten wie Guido Brombach (@gibro) oder Jöran Muuß-Merholz (@jmm_hamburg), die Apps konstruieren und diffizile didaktische Fragen aufwerfen („Anti Copy-Paste-Aufgaben“) und den Leuten, die da nicht mehr mit können und deswegen wieder zu ganz normalen Teilnehmern werden. Das spiegelt sich, leider, im immer liebloser werdenden Format der Sessions. Allzuoft gibt es simple Frontalveranstaltungen (die man augenzwinkernd partizipativ nennt) – oder kollaborative Laberrunden mit Non-Themen wie „Lernen gestern-heute-morgen“.

Den Satz des Camps formulierte Muuß-Merholz:

„Könnte es vielleicht eine Methode sein, ein Barcamp bei Lehrern besser durchzukriegen, indem man das Wort Barcamp vermeidet?“

Die Erlösung muss also heimlich kommen.

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Gymnasium oder nicht Gymnasium – das ist NICHT die Frage

Über Gymnasien und die Lehrerrolle in der Gemeinschaftsschule

Die Kollegin Heike Schmoll hat einen wütenden, aber auch klugen weitsichtigen Leitartikel über das Gymnasium geschrieben. Und schon donnerts via Twitter etc. los. Weg mit dem Gymnasium, lautet der Tenor. Der kluge Ulf Blanke “weint dem Gymnasium keine Träne nach“, eine unbekannte Andrea fragt: Warum das Gymnasium retten – habe es doch in internationalen Studien schlechter abgeschnitten als die Gemeinschaftsschulen anderer Länder.

Ich würde der Kollegin Schmoll nicht darin recht geben, dass sich “in etwa zehn Jahren nur noch die Türschilder der beiden Schularten [Gymnasium und Gemeinschaftsschule] unterscheiden werden”. Dagegen spricht die Entwicklung in den Ländern, wo die Gemeinschaftsschule zu einer ernst zu nehmenden Alternative zum Gymnasium wird. Etwa in Berlin ist das so, weil es sich auf wundersame Weise begibt, dass die meist nachgefragten weiter führenden Schulen (was die Anmeldezahlen betrifft) eben die Gemeinschaftsschulen sind. Und nicht die immer noch beliebten Gymnasien. So ist es der Verteilungssituation zu entnehmen.

Aussterbende Fach(wissenschaftliche)lehrer

Das bedeutet aber nicht, dass die Gymnasien zu kleinen Gesamtschulen werden, im Gegenteil. Die Konkurrenzsituation führt dazu, dass die Gymnasien sich als eigenständige Alternative schärfer profilieren müssen. Wo Heike Schmoll absolut Recht hat, ist das Lehrerproblem: Sie befürchtet, dass bald “es den Gymnasiallehrer mit hohem fachwissenschaftlichen Niveau kaum noch gibt.”

Das ist wahr – und zwar nicht nur wegen der geänderten Ausbildungen, sondern vor allem wegen des Lernprofils mancher Gemeinschaftsschule. Dort soll der Lehrer ja eher als Moderator auftreten, als Lernbegleiter, und das ist eine der schlimmen Stanzen aus der Reformdebatte. In der Realität der ganz wenigen Gemeinschaftsschulen, die bereits halbwegs funktionieren, erleben wir nicht nur ein fröhliches neues Lernen, sondern auch eine Entwertung des Lehrers – und zwar: seiner fachwissenschaftlichen Persönlichkeit, seiner, kurz gesagt, fachlichen Autorität. In einem Lernbüro, wo sich die Kinder selbst den Stoff aneignen, kann ein guter Lehrer seine PS kaum auf den Boden bringen. Das ist ein Problem, genauer es wird erst eines. Denn wir stehen am Anfang einer Entwicklung. Darüber sollte man reden – und es ist gut, dass Heike Schmoll die Debatte eröffnet hat.

3.124 : 100, Advantage Gymnasium

Und da muss man doch mal einen kurzen Moment lang die Statistik zurate ziehen: Wir haben 3.124 Gymnasien in Deutschland, teilweise sind sie weit über 100 Jahre alt. Aber wir haben, ähem, vielleicht 100 Gemeinschaftsschulen und von denen funktionieren vielleicht, äh, fünf? Und die sind meistens erst vier oder fünf Jahre alt.

Deswegen ist die Debatte vollkommen absurd, ob man die Gymnasien abschaffen könnte. Was für ein Quatsch ist das denn? Das ist historisch, pädagogisch und politisch absoluter Nonsens. Die Partei, die sich wagt, die Abschaffung der Gymnasien zu fordern, diese Partei schafft sich sofort selbst ab – jedenfalls als wählbare Partei. Bitte mal nicht vergessen: Das Gymnasium ist die Heimstatt der Bildungsbürger, das sind Menschen, die einst der Politischen Revolution abhold sein wollten und stattdessen lieber ein Privileg für ihre Kinder raushandelten. Der Deal im ausgehenden Absolutismus/Konstitutionalismus lautete – in Deutschland wohlgemerkt – :

Wenn ihr Bürger keine Mucken macht und aufs Parlament verzichtet, dann bekommt ihr eine Schule für Eure Bürgerkinder. NUR FÜR EURE BÜRGERKINDER. Deswegen durfte eben nicht jeder aufs Gymnasium und deswegen wurden Schulen für niedrigere Chargen gegründet.

Klar, das ist auch Geschichte. Aber das Gymnasium ist so etwas wie das Lebenselixier der Bürger – in Deutschland. Und über das Gymnasium wird gerne und heftig gestritten – weil jeder am liebsten dorthin will.

Freilich stimmt es auch, dass das Gymnasium die schlechteste und ungerechteste aller deutschen Schulformen ist. Wie Jürgen Baumert gezeigt hat, bringts das Gymnasium nicht, obwohl es die besten Schüler, die besten Lehrer und das meiste Geld kriegt. Ich selber habe das geschrieben. Aber mit dem Gymnasium ist es ein bisschen wie mit der Demokratie, wenn man Churchill folgen mag. Und natürlich muss das Gymnasium sich reformieren, sich neu erfinden, sich auf den online-Tsunami und mehr Schüler einstellen und und und. Aber abschaffen, come on, spinnt woanders weiter.

Gymnasium oder nicht Gymnasium – das ist NICHT die Frage. Es geht darum, endlich halbwegs gute Leistungen in den Schulen hinzukriegen, es gerechter zu machen an den Schulen und sich auf #lrn21 vorzubereiten: das Lernen im 21. Jahrhundert.

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Bildungsexpansion mit dem Henkelmann

Die Studienanfängerzahlen verharren auf einem Allzeithoch von einer halbe Million jährlich. Wirtschaft, Gesellschaft und Politik beklatschen den Studentenboom – versuchen ihn aber mit der Methode Fast Food auszubilden

In Bochums Ruhr-Universität studieren 40.000 junge Leute. In den 1960er und -70er Jahren trug die Hochschule die erste Bildungsexpansion mit, heute platzt sie selbst aus allen Nähten. Allein die Mensa. 6.400 Essen gehen in der neuen Hauptmensa täglich über den Tresen, die Mittagspause muss immer schneller abgewickelt werden. Deswegen haben die Ruhr-Köche sich etwas besonderes ausgedacht – den Henkelmann. Eine Papp-Box mit Fastfood, der kleine Drahtgriff erinnert an die legendäre Lunch Box für unter Tage. „Wir versuchen die Staus beim Mittagessen so gut wie möglich zu entzerren, da tut der Henkelmann gute Dienste“, sagte der Sprecher des Akademischen Förderwerks Bochum, Peter van Dyk. henkelmann_2011_0447

Der Bochumer Mensa-Turbo ist eine witzige Idee mit Bezug zur Region. Aber er ist zugleich ein Symbol dafür, wie die Bildungsrepublik mit dem Studentenboom von einer halben Million neuer Studierender Jahr für Jahr umgeht. Es ist eine Bildungsexpansion im Fast-Food-Modus. Alle beklatschen den Studentenansturm – aber sie haben nur Kleingeld dafür übrig. Egal, worum es geht – Hochschulbau, Wohnen und Essen oder Studienbedingungen – überall regiert Schmalhans.

Vorlesung im Kino

Am schlimmsten ist es vielleicht beim Hochschulbau. Hier ermüdet der Run auf die Unis Hörsäle und Seminarräume. Zugleich ächzen die Hochschulen unter der Überalterung und Auszehrung ihrer Gebäude. In Düsseldorf tropft es in Büros und Seminarräume. In Duisburg erleben die Studierenden ihre Vorlesung im Kino – per Liveschalte aus dem Hörsaal. So ähnlich sieht es an vielen deutschen Unis aus. „Sanierung und Modernisierung der Hochschulbauten sind jahrzehntelang vernachlässigt worden. Jetzt rächt sich diese Politik“, sagt der Präsident der deutschen Rektoren, Horst Hippler, der taz. Er rechnet vor, dass den Hochschulen 25 bis 35 Milliarden Euro an Bauinvestitionen fehlten.

Mangel herrscht überall. Das hat zunächst einen erfreulichen Grund. Seit 2009 steigt die Zahl der Studierwilligen steil an. Gab es damals noch knapp über 400.000 Erstsemester, so sind es jetzt mit schöner Regelmäßigkeit satte 25 Prozent mehr. 2011 begannen 518.000 Abiturienten ein Studium, 2012 war es erneut knapp eine halbe Million. Für 2013 wurde die Prognose gerade korrigiert – auf erneut 490.000. Dabei hatten alle gedacht, der Boom währte wegen der so genannten doppelten Abitur-Jahrgänge nur kurz. Anfang der 90er Jahre war es nur gut die Hälfte an Erstsemestern. Das scheint für die Uni-Planer noch heute das Maß aller Dinge zu sein.

Kein Cent für Wohnheimplätze

Der Boom zehrt die Unis aus. In jeder Hinsicht. Das Deutsche Studentenwerk hat nach der jüngsten Studentenprognose Alarm geschlagen. „In den Hochschulpakten ist kein Cent für zusätzliche Wohnheim- oder Mensakapazitäten gegenüber dem Status Quo drin“, sagte Dieter Timmermann, Präsident der Studentenwerke, der taz. „Das ist ein Kardinalfehler und wird angesichts des Studierendenansturms auf die Hochschulen den Wohnraum nicht nur für Studierende verknappen und verteuern.“

Das Problem ist, dass die Kultusminister immer nur von einem Zwischenhoch an Studierenden ausgehen. Das ist heute nicht anders als in den 1970ern. Damals dachten sie, sie könnten den Studentenansturm, wie sie es nannten, „untertunneln“. Sie ließen die Unis schlicht vollaufen – die Massenuni waren geboren. Heute versucht man mit knappen Bordmitteln über die Runden zu kommen. Dazu gehört der so genannte Hochschulpakt. Die Länder lassen sich Lehrkapazitäten vom Bund ko-finanzieren. „Der Pakt hilft den Universitäten immer nur zeitlich befristet. Er führt nur vereinzelt dazu, dass sich die Betreuungsrelationen verändern“, warnt der Chef der größte deutschen Forschungsgemeinschaft, Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Forschungszentren. 

“… den Bundesmitteln vergleichbar”

Die Länder haben nichts gelernt. Jetzt begehren sie sogar auf. Im Beschlusspapier für die neueste Runde von Verhandlungen um den Hochschulpakt, wollen sie sich aus der 1:1-Gegenfinanzierung der Bundesmilliarden verabschieden. „Die Länder stellen die Gesamtfinanzierung sicher und erbringen finanzielle Leistungen, die den bei ihnen jeweils ankommenden Bundesmitteln vergleichbar sind.“ So steht es in dem Papier, das pisaversteher vorliegt.

Länder tricksen beim Hochschulpakt: Die Hälfte zahlt nix

Länder tricksen beim Hochschulpakt: Die Hälfte zahlt nix

Das kultusministerielle Schwurbel-Deutsch heißt zerlegt in seine Einzelteile: Die Länder bezahlen eh schon genug, da soll sich der Bund mal um den Studentenzuwachs kümmern. Im Klartext: Die Kulturhoheit will man behalten, bezahlen aber sollen sie, bittschön, andere. Denn mal sind es die Stadtstaaten, die gar nichts mehr für die Studentenansturm bezahlen sollen, mal die ostdeutschen Bundesländer. 

Aus der Portokasse aber lässt sich gerade bei Dozenten und Professoren der Studienboom nicht bezahlen. Bei bestimmten Personalkategorien wie wissenschaftlichen Mitarbeitern oder Lehrbeauftragten ist die Situation längst eskaliert. „Es gibt Beschäftigungsverhältnisse, die sind schlechter als in der Gastronomie“, sagt der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaft der Linken, Tobias Schulze. Er drängt auf eine grundsätzliche Lösung. „Der Bund muss seiner Verantwortung als Rahmengesetzgeber und Finanzier von Wissenschaft wieder gerecht werden können“, sagt er. Das heißt: Der Henkelmann muss weg, der Bund muss qua Grundgesetz wieder als regulärer Geldgeber für die Hochschulen ermächtigt werden.

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Reading and Playing and Fathers (Prezis)

Louise Chadwick of Booktrust in UK handed in an extremly interesting case of early literacy “education” before birth >>> see her prezi by clicking here (follow the arrow or switch to autoplay) Continue reading

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Early Literacy – Sketch of Social Parameters

A sketch of Social Parameters for Early Literacy Education, a work in progress in three steps.

Sketch 1) We find the child (learner), family and  school as actors in a first sketch. Early reading experiences are made by the family, later in pre-school and school. We assume, that the process of reading education is made by family and school – and, also, hindered, these are the social obstacles like poverty, distance to learning and reading culture, bureacratic schools or bad/dysfunctional teaching at school. Continue reading

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Reading and Dancing

Family Literacy Project encourages to read together

(… by Lynn Stefano, director of family literacy project in kwazulu, south africa. It is material for the early literacy education-conference next week (12-14/3/13) in leipzig, here for the panel social parameters (13/3/13 10 a.m.) for reading and writing. See also posts below about the example of india and discussion points of the panelists.)

The Family Literacy Project works in 15 deeply rural villages in the Sisonke District. We facilitate adult literacy groups, as well as groups for teens and foundation phase children. Continue reading

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“Parents play lesser role in early reading”

Points for the discussion

(… by indish scientist Rammohan Khanapurkar on early literacy education-conference next week in leipzig, here for the panel social parameters (obstacles) for reading and writing, see also Khanapurkars Report and pisaversteher/literacy and posts below)

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Early Literacy Education

Some years ago the formula “Early Ecellence” was used in educational dicussions. Now we are a bit more down to earth with the term “Early Literacy”. It asks, why can’t children often read & write? In developping countries as well as in western industrial states. Continue reading

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